Tanz mit Kopfjägern

Nach einem Spaziergang über die weitläufigen Eisenholz-Stege von Muara Muntai klettern wir in Odins Ketinting. Immer wieder unterbricht er die Fahrt. Seinem geübtem Auge entgeht nichts. Ein blauorange gefiederter Eisfischer hockt regungslos auf einem toten Baumgerippe an der Uferböschung.

Kurz darauf beobachten wir eine Affenfamilie beim Frühstück. Geschickt pellen sie das weiße Fruchtfleisch aus den haarigen Schalen der Rambutan, die wir Ihnen zugeworfen hatten. Eine Flussbiegung weiter sind es mehrere Reiher, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Auf dem Weg zum nächsten Binnensee stoppen wir noch ein paar Mal bei einigen Fischhändlern. Sarkani sucht nach den besten Fischen für unsere nächste Mahlzeit. Bereits beim Frühstück hat er uns mit zwei unterschiedlichen Mangos überrascht. Eine etwas säuerliche aus Java sowie eine süße und sehr aromatische aus dem Garten des Nachbarn unserer Herberge. Urlaub mit allen Sinnen.

Etwas Besonderes sind die Kopfbedeckungen der Flussbewohner. Die Form erinnert an die der Reisbauern Vietnams und Chinas. Hier sind die Hüte ebenfalls aus Bambus gefertigt und zusätzlich mit bunten Stoffresten und kleinen langstieligen Stoffblumen verschönert. So ein Hut muss her. Ein kleiner schwimmender Laden im Dorf vor der Einfahrt in den nächsten Binnensee schafft Abhilfe.

Auf der anderen Seeseite gehen wir in Tanjung Isuy an Land. Dort wartet ein Fahrer mit seinem SUV, um uns in ein nahegelegenes Dorf der Benuac-Dayak zu bringen. In Mancong überrascht nicht nur das außergewöhnliche Langhaus. Der zweistöckige Holzbau mit den zahlreichen geschnitzten Skulpturen davor wurde bereits in den 1930er Jahren erbaut und 1987 umfassend restauriert. Zwar wohnen die Familien heute nicht mehr darin, die nutzen den Bau jedoch immer noch für ihre Feiern.

Einige der für die Zeremonien benötigten Utensilien sowie ein Gamelan und Trommeln werden nach draußen gebracht. Ein Musiker spielt sich an dem Schlaginstrument mit den Messingschalen warm. Allmählich füllt sich der Platz vor dem Langhaus. Ob jung oder alt, immer mehr Männer und Frauen, Jungen und Mädchen strömen herbei. Der Weg zum Dorf wird mit einem Band versperrt und man bedeutet uns, hinter die Absperrung zu treten. Was soll das werden?

Der Schamane des Dorfes tritt an die andere Seite des Seiles, begleitet von einem Mann mit Megafon, der als Übersetzer ins Indonesische fungiert. Sarkani übersetzt ins Englische: Bevor wir das, durch das Langhaus definierte Zentrum des Dorfes betreten dürfen, müssen wir unsere Absicht erklären. „apa kabar?“ Bringt ihr Gute oder schlechte Nachrichten? Natürlich haben wir nur Gutes im Gepäck. Jetzt sind wir im Dorf willkommen und dürfen Teil der Gemeinschaft werden. Der Medizinmann reicht mir eine Machete, um das Seil zu durchtrennen. Unter dem rhythmischen Klang der Gamelan und Trommeln nehmen uns die Dorfbewohner an die Hand und führen uns wiegenden Schrittes zu einer kleinen überdachten Tribüne.

Wir erleben fünf unterschiedliche Tänze, vom eigentlichen Willkommenstanz bis zu solchen, die Die Webkunst und Reisanbau symbolisieren. Nach dem derwisch-artigen Tanz des Medizinmanns folgt ein Jagdritual. Jetzt werden auch die Gäste mit einbezogen und dürfen ihr Glück mit dem Blasrohr versuchen.

Zum Abschluss erscheint noch einmal der Schamane und legt uns segnend die Hand auf den Kopf, gefolgt von zwei Frauen, die uns mit Wasser und einer milchigen Flüssigkeit über die Wangen streichen. Damit sind wir endgültig in das Dorf aufgenommen worden.

Auch wir erhalten eine Schale mit dem Reiswasser, um ebenfalls die Wangen weiterer Dorfbewohner zu weißeln. Schließlich endet die Musik und wir werden verabschiedet. Was für ein Erlebnis. Diese Überraschung ist Sarkani wirklich gelungen. Angekündigt hatte er lediglich den Besuch eines traditionellen Dayak-Dorfes.

Eine letzte wartet bei der Rückfahrt am Straßenrand. Eine katholische Kirche, die dem Heiligen Arnold Janssen geweiht ist. „Quos Gaesdonck iunxit iunctos non dirimet aetas.“ (Diejenigen, die Gaesdonck verbunden hat, kann die Zeit nicht trennen.) Der Kirchenpatron war vor über 160 Jahren einer der ersten Abiturienten des Internats am Niederrhein, an dem ich vor fast 35 Jahren mein Abitur machte.

Bevor es wieder mit Odins Boot zum Ausgangspunkt unserer heutigen Tour in Muara Muntai geht, wartet in einem Warung am Pier unser Mittagessen: frischer, frittierter Fisch sowie Mangos und Ananas. Überflüssig zu erwähnen, dass wir auf dem Rückweg wieder bei einem Fischhändler anhalten müssen. Dieses Mal ersteht Sarkani einige Flusskrabben für das Abendessen.

Mit dem öffentlichen Boot fahren wir am Abend nach Melak. Man merkt, es ist Ferienzeit. Die Fähre ist ziemlich voll und wir verbringen die erste Zeit der siebenstündigen Fahrt mitten unter großenteils bereits schlafenden Familien auf dem Zwischendeck. Später gelingt es Sarkani, uns zwei Liegeplätze auf dem darüber liegenden Deck zu organisieren. Selbst auf den harten Matten ist das deutlich bequemer als auf dem harten Schiffsboden. Es gelingt uns sogar ein wenig zu schlafen. Ankunft 2 Uhr morgens. Auch der Transfer vom Pier zum Hotel ist von unserem umsichtigen Guide bereits organisiert. Der Fahrer wartet schon auf uns. Ein wunderbarer Tag mit unvergesslichen Eindrücken geht zu Ende.

Unterkunft:
Hotel Monita
Jalan Dr. Sutomo No. 106, Melak Ulu, Melak, Kabupaten Kutai Barat, Kalimantan Timur 75775

Guide:
Sarkani Gambi

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