Yogyas Altstadt

id-sw_2015-01-09-DSC_0008Kotagede bedeutet auf javanisch „Große Stadt“. Der pittoreske Vorort fünf Kilometer südöstlich von Yogyakarta war im 16. Jahrhundert die Hauptstadt des Sultanats von Mataram. Von der alten Pracht kündet nur noch das alte Handwerk, das hier in zahlreichen kleinen Betrieben die alten Traditionen bewahrt. Das Areal von Kotagede besteht eigentlich aus drei ineinander übergehenden Dörfen: Prenggan und Purbayan bilden den Kotagede-Distrikt  innerhalb der Stadtgrenzen von Yogyakarta, Jagalan dagegen ist Teil des Banguntapan-Distrikts der Region Bantul.

id-sw_2015-01-09-DSC_0051Wir biegen von der durch das Viertel führenden „Hauptstraße“ Jalan Ngeksigondo in eine der kleinen Seitenstraßen und befinden uns plötzlich fast wie in einem Dorf. Eben noch tobte um uns das geschäftige Leben Yogyakartas, jetzt knattern nur noch vereinzelte Mopeds durch die engen Gassen und Hinterhöfe. Hier geht das Leben seinen gemächlichen Gang wie schon seit Generationen. Folgt man den Geräuschen, findet man schnell zu den kleinen Handwerksbetrieben, den Silberschmieden, Kunstschmieden und Batikfärbern.

id-sw_2015-01-09-DSC_0061Von der alten Bausubstanz ist nur noch ein Teil erhalten bzw. wieder aufgebaut worden. Mehrfach wurde das Viertel von Erdbeben betroffen, zuletzt von dem großen Beben im Mai 2006. Der Gebäudekomplex des Omah UGM wurde nach seiner Zerstörung mit Mitteln der Universität von Gadjah Mada wieder errichtet und beherbergt heute das Zentrum der Bewegung zum Erhalt der Kulturdenkmäler. In dem traditionellen Jogla-Haus der Anlage hat man mehrere Räume mit Möbeln und Gebrauchsgegenständen früherer Zeiten eingerichtet.

id-sw_2015-01-09-P1100487Viele Kleinbetriebe und Läden sind am heutigen Freitag geschlossen, dem muslimischen „Sonntag“. Eine Ausnahme ist ein Barbier, der gleichzeitig mit uralten Singer-Nähmaschinen eine Schneiderei betreibt. Die Rasur ist nichts für Weicheier: zum Rasieren wird die gleiche stumpfe Klinge verwendet, die auch beim Auftrennen von Nähten zum Einsatz kommt. Nicht zu vergessen, dass die eigentliche Nassrasur trocken durchgeführt wird. Aber das Ergebnis zählt. Nach einigen Minuten ist der Mehrtagesbart verschwunden.

id-sw_2015-01-09-DSC_0048Einige Meter entfernt wurde ein alter Wachposten restauriert. Heutzutage dien drr Durchgang des „Pos Malang“ den morgendlichen Porridge-Verkäufern als überdachter Verkaufsstand und später am Tag den Eltern als Unterstand, wenn sie auf die Heimkehr ihrer Kinder aus der Grundschule oder dem Kindergarten warten.

Weniger klar ist die Bedeutung und derzeitige Nutzung des nun folgenden grüngestrichenen Gebäudes mit den schwarzen hinduistischen Reliefs an den Außenwänden. Eine Tafel weist darauf hin, dass im Mai 2010 Lech Walesa hier im Rumah Pesik übernachtet hat. Alle Tore sind verschlossen. Ein Nachbar ermutigt uns zu klingeln. Mit kurzfristigem Erfolg. Ein freundlicher junger Mann öffnet das Tor und gewährt einen kurzen Blick in den großzügig mit Statuen und Objekten unterschiedlicher Stilrichtungen ausgestatteten Innenhof. Er spricht immerhin so viel Englisch, um mit dem Hinweis „privat, privat“ die Türe wieder zu schließen.

Kurz nach 15 Uhr füllen die Rufe der Muhezin die engen, blitzsauberen Gassen. Aus allen Richtungen tönt der Sprechgesang, aber das Leben der Bewohner unbeeindruckt davon weiter. Auch die Vögel in den vor fast jedem Haus hängenden Käfigen zwitschern weiter munter ihre Lieder.

id-sw_2015-01-09-DSC_0093Unweit der Perak Moschee (Mesjid Perak)  und der Muhammadiyah Highschool sind Batikfärber bei der Arbeit. Sie knoten Glasmurmeln und Kaffeebohnen mit Gummibändern in weiße Baumwollbahnen, um die für Batik typischen Muster zu erzielen. Leider sind die hier produzierten Sarongs und T-Shirts nur in kleinen Größen vorrätig. Man bietet uns an, für uns passende Teile zu batiken, wenn wir diese ungefärbt vorbei bringen.

Zurück an der Hauptstraße des Viertels besuchen wir ein paar Silberschmiede, deren Läden sich hier wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Das Angebot hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht verändert. Das Design ist eher altmodisch als modern.

id-sw_2015-01-09-DSC_0111Wir machen uns auf den Heimweg und versuchen, am Straßenrand ein Taxi zu stoppen. Eine Viertelstunde später ist immer noch keins in Sicht. Ein Schild mit dem Hinweis auf ein 300 Meter entferntes Hotel weckt die Hoffnung, dort erfolgreich einen Transport zu finden. Wir laufen mehr als einen Kilometer, vom Hotel keine Spur. Wieder einmal haben wir die asiatischen Entfernungs-und Zeitangaben unterschätzt. Schließlich gelingt es uns nach fast einer Dreiviertelstunde doch noch, an der Straße ein Taxi für die verbleibenden fünf Kilometer  zum Hotel anzuhalten.

Unterkunft:
The Phoenix Hotel
Jl. Jenderal Sudirman No.9, Tugu Jogja, Yogyakarta, Indonesien 55233

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