Radi, geschnitzt

Auf dem Zócalo tobt das Leben. Mühsam bahnen wir uns einen Weg durch die Menschenmenge. Heute ist der 23. Dezember und wie in jedem Jahr seit über 100 Jahren wird die Noche de Rábanos, die Nacht der Radieschen gefeiert. Die Tradition des kuriosen Fests des Wettbewerbs der Rettichschnitzer gibt es seit 1897. Rund 100 Künstler aus Oaxaca und Umgebung nehmen in drei Altersgruppen in verschiedenen Kategorien teil. In der traditionellen Kategorie werden folkloristische Szenen, wie zum Beispiel Posadas, der Tag der Toten sowie Alltagsszenen aus Oaxaca gezeigt. In der freien Klasse ist dann alles erlaubt, was die Fantasie hergibt.

Seit einigen Jahren wird das Rohmaterial von der Stadtverwaltung gestellt, da die wenigsten Teilnehmer in der Lage sind, die benötigten Mengen im eigenen Garten zu züchten. So kommen alle in den Genuss der länger im Boden verbleibenden und damit zum Teil bis zu einem halben Meter langen und mehr als 10 Zentimeter dicken Riesen-Radieschen.

Mit der Ernte am 18. Dezember fällt der Startschuss. Die Wettbewerber erhalten ihr Kontingent, planen aufgrund des ihnen zugeteilten Materials ihren Beitrag und beginnen drei Tage vor dem Wettbewerbstag mit dem Schnitzen. Am Vormittag des 23. Dezember beginnt der Aufbau vor Ort, jeder Teilnehmer bekommt einen Stand gleicher Größe. Gegen 13 Uhr muss dann alles fertig sein, damit die Jury sich ein Urteil bilden kann.

Vor dem Eingang am hinteren Ende des Zócalo hat sich schnell eine große Schlange Schaulustiger gebildet, die bald in drei Reihen bis hinter die Kirche auf der gegenüberliegenden Seite reicht. Obwohl die Besucher in zwei Reihen an den Ausstellungsständen vorbei gehen können, beträgt die Wartezeit bis zu 4 Stunden. Der Andrang ist gewaltig, denn die Besichtigung des Spektakels ist aufgrund des Rohstoffs zeitlich limitiert. Der kunstvoll verarbeitete Rettich trocknet schnell aus und wird welk. Da hilft es nur wenig, dass die Künstler ihre Werke regelmäßig mit Wasser besprühen. Gegen 23 Uhr ist Schluss.

Seit einigen Jahren wurde der Wettbewerb um eine Variante mit ähnlichen Themenvorgaben erweitert. Er ist bereits tags zuvor zur Besichtigung freigegeben. Hier ist das verwendete Material weniger vergänglich. Die Künstler verwenden getrocknete Blumen und Maisblätter für ihre Kunstwerke.

Unterkunft:
Levi & Sylvia (airBnB)
68000 Oaxaca de Juárez, Mexico

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