Maya-Medizin, blaue Falter, die echte Schokolade und überraschende Einsichten

Die Maya hatten nicht nur ein umfangreiches kosmologisches Wissen, sondern kannten sich auch mit medizinischen Heilpflanzen bestens aus. Wir besuchen die Belize Botanic Gardens. Der 1997 gegründete Park ist Heimat für 3.000 verschiedene katalogisierte und 2.000 weitere Pflanzen. Er dient sowohl der  Ausbildung interessierter Studenten aus aller Welt als auch als Genpool für seltene Arten. Man kann ihn auf eigene Faust oder mit einem Führer erkunden. Wir entscheiden uns für letzteres, da wir vor allem an den Heilpflanzen des Medicine Trails interessiert sind.

Luis begleitet uns anderthalb Stunden und erläutert fachkundig Sinn und Zweck zahlreicher Bäume und Sträucher. Diese stammen nicht nur aus Belize, sondern aus zahlreichen Ländern weltweit. Zu den hier kultivierten Obstbäumen zählen zum Beispiel die in Asien beheimateten Rambutan, Litschi, Jackfrucht und Mangostin. Ein kurioser Nussbaum ist die im Norden Südamerikas beheimatete Paradiesnuss (Monkey Pot). Ihre Früchte wachsen zunächst in einer kokosnussgroßen Kapsel. Sobald die Samen reif sind, fällt an der Unterseite ein Deckel ab und die paranussartigen Samen fallen heraus.

Bevor wir zu den Heilpflanzen kommen, absolvieren wir eine kleine Gewürzkunde, bei der uns Luis anhand  zwischen den Fingern zerriebener Blätter die jeweilige Pflanze erraten lässt. Dass ist nicht immer ganz einfach. Piment heißt im englischen nicht ohne Grund Allspice. Das bei uns  auch als Nelkenpfeffer bekannte Gewürz aus der Familie der Myrtengewächse duftet gleichermaßen nach Pfeffer, Zimt, Muskat und Nelken.

Ein weiter Vertreter der Myrtengewächse ist die Lemontea Plant (Backhausia myrtifolia), deren Geruch an Zitronengras erinnert. Hier sind wir dann schon bei den Heilpflanzen, deren Sinn und Zweck uns Luis sofort detailliert erläutert. Im Falle der Zitronentee-Pflanze empfiehlt er einen Tee aus 25 Blättern, um Fieber und Kopfschmerzen zu lindern. Welchen Zweck die Zweige und Blätter des Holunder für die Maya erfüllten, haben  wir dagegen schon bei der Schamanin Marie  in Zinacantán gelernt, als sie uns mit einer Reinigungszeremonie bedachte.

Es sind aber nicht nur die Blätter, die zu medizinischen Zwecken verwendet werden können. Die Wurzeln der Kletterpflanze Dioscorea villosa (wild yam) werden noch heute von  fachkundigen Heilern der Maya als Verhütungsmittel und „Pille danach“ angewendet.

Zum Abschluss der Wanderung durch den weitläufigen Park führt  uns Luis noch zum Orchideenhaus. Belize ist Heimat von  über 300 verschiedene Arten dieser Spezies. Darunter befindet sich auch eine Schwarze Orchidee. Die Prosthechea cochleata ist die Nationalblume von Belize.

 

Nach diesem ausführlichen botanischen Exkurs fahren wir weiter zur Schmetterlingszucht des Chaa Creek Resorts. Der Blaue Morphofalter (Blue Morpho) oder Himmelsfalter macht seinem Namen alle Ehre. Während die Flügel zusammengeklappt außen mit ihren sieben „Augen“ Fressfeinde verschrecken sollen und ansonsten nicht sonderlich spektakulär erscheinen, ist es die Innenseite der mit bis zu 12 Zentimeter Spannweite ausgeklappten Flügel, die dem Insekt seinen  Namen gaben. Die schillernden Blautöne entstehen durch  Interferenzen des Lichts, das auf die Schuppen der Flügel fällt – nicht etwa aufgrund von darin enthaltenen Pigmenten.

Ein Besuch  von AJAW Chocolate bildet den  Abschluss unserer kleinen Tour rund um San Ignacio. Schließlich waren es die Maya, denen wir den Kakao verdanken. Daher handelt es sich bei AJAW auch nicht um eine  Schokoladenfabrik, sondern um eine detaillierte Demonstration der einzelnen Produktionsschritte von der Fermentierung der Kakaobohne bis zur Herstellung der echten Schokolade bzw. Trinkkakaos. Dieser kommt nämlich gänzlich ohne Milch und Zucker aus.

Die in einer Art Mörser zerriebenen fermentierten und gerösteten Bohnen werden nur mit heißem Wasser aufgegossen und gründlich verrührt. Wem das wunderbar schmeckende Getränk zu bitter schmeckt, kann es mit etwas Honig süßen. Weitere bei den Mayas und ihren Nachfahren beliebte Geschmacksvarianten entstehen durch Zugabe von etwas Zimt, Piment oder Chili. Wie so vieles bei der ursprünglichen Kakaoherstellung sind auch diese quasi durch Zufall entdeckt worden. Mit dem Maya-Mörser wurden nicht nur Kakaobohnen, sondern auch Gewürze wie Piment und Chili zerrieben. Und wenn sich dann aus Versehen Reste des einen oder anderen mit den Bohnen mischten…

 

Exkurs: Tourismus in Belize

Für die Fahrt zu den einzelnen Stationen hatten wir das Glück, mit Abraham Guitierrez nicht nur einen guten Fahrer, sondern auch profunden Kenner der touristischen Entwicklung in Belize zu treffen. Wir sind neugierig, wollen die Gründe für die Veränderungen erfahren, die es hier in den letzten Jahren gegeben haben muss. Cosy war seit Mitte der 1990er dreimal in Belize, zuletzt vor zehn Jahren. Die Schönheit des Landes, Landschaft, Flora und Fauna sind unverändert einen Besuch wert. Und doch scheint es, als habe das Land für viele Touristen an Attraktivität verloren. Vieles ist teuer geworden, das Preis-Leistungs-Verhältnis hat sich zum Negativen verschoben.

Abraham erklärt uns, er profitiere von den Veränderungen. Ihm geht es besser als früher. Doch den meisten geht es schlechter. Die Ursache ist ein völlig verändertes Buchungsverhalten der für die Einheimischen wichtigsten Kategorie der Touristen. Viele einfache Individualtouristen und Backpacker haben früher in den zahlreichen Hostels und kleinen Hotels des Ortes übernachtet. Aber heute mieten sie für weniger Geld meist über Airbnb für ein paar Tage eine kleine Hütte oder Wohnung. Die liegen meist nicht direkt im Ort, sondern mehr oder weniger weiter entfernt rundherum. Für die Fahrer ist es ein gutes Geschäft, ja sogar besser als früher, da die Gäste mehr denn je auf eine  Transportmöglichkeit zu den Freizeitaktivitäten rund um San Ignacio angewiesen sind.

Für die Hostelbesitzer des Ortes, aber auch die Restaurants und Händler sind die Folgen dagegen mehr oder weniger katastrophal. Warum Essen gehen, wenn man in der gemieteten Wohnung eine Küche hat? Das Leben in Belize ist teilweise doppelt bis dreifach so  teurer als in den Nachbarländern, da schont die Selbstversorgung natürlich die Reisekasse. Natürlich könnte man sagen, gegen den Wegfall der Jobs in Gastgewerbe und Gastronomie stehen jetzt die Einnahmen durch die Untervermietung. Abraham schüttelt resigniert den Kopf. Es sind nicht die Einheimischen, die die Angebote von Airbnb dominieren. Findige Ausländer haben die neuen Möglichkeiten erkannt, kaufen preiswert den entsprechenden Wohnraum und das Geld fließt – dank Airbnb – direkt auf die entsprechenden Auslandskonten. Nachdem die großen Resorts schon immer eine Einnahmequelle für überwiegend ausländische Konzerne waren, wird jetzt auch das untere Preissegment von kleinen privaten Investoren aus dem Ausland erobert. Wie wir in weiteren Gesprächen zum Thema erfahren,  sind es häufig Expats aus den USA, die sich auf diese Weise ein Refugium für ihr Leben im Rentenalter finanzieren. 

Gelegentlich geht die Rechnung aber auch für die Gäste nicht auf. Manches Schnäppchen befindet sich nicht nur abseits der Stadt im Nirgendwo, sondern auch in einem Viertel, dass sogar von den meisten Einheimischen gemieden wird…

Von offizieller Seite hört man nur positive Zahlen. Hier wird auf den ständig wachsenden Strom der Besucher von Belize verwiesen. Dass diese nicht unbedingt zu mehr Einnahmen in der einheimischen Tourismusbranche führen, wird ausgeblendet. Dies liegt freilich nicht nur im veränderten Verhalten der Backpacker und einfacher Reisender per Airbnb. Der zahlenmäßige Anstieg ist vor allem der Zunahme von Kreuzfahrttouristen zu verdanken, die für wenige Stunden an Land gehen, mit Bussen zu ausgewählten Sehenswürdigkeiten oder Attraktionen gekarrt werden und dann spätestens zum Essen wieder auf ihre Schiffe verschwinden. Auch hier ist das Mehr ein Weniger für die Einheimischen, die früher gut vom Tourismus leben konnten. Und die Lebenshaltungskosten steigen unaufhaltsam. Zwar gilt Belize als preiswerteste Destination der Karibik – aber ist zugleich mittlerweile das teuerste Land Mittelamerikas….

Unterkunft:
Venus Hotel
29 Burns Avenue, 00011 San Ignacio, Belize

Fahrer:
Guitierrez Taxi Service
San Ignacio, Belize

 

Places2See:

 

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