Zweimal Francisco und endlich Posada

Nach dem üppigen Frühstück in einem Lokal am Zócalo wollen wir die Kathedrale von Puebla besichtigen. An der Kreuzung werden wir zunächst von einem Team des mexikanischen Privatsenders TV Azteca abgefangen. Der Reporter hat uns als Touristen identifiziert und will wissen, was uns an der Stadt Puebla gefällt und wo wir schon überall waren.

Nach diesem kleinen Intermezzo betreten wir die Basilika durch das Portal auf der Rückseite. Kommt man von dort, hat man aufgrund der zweigeteilt erscheinenden Außenfassade fast das Gefühl, es mit zwei Kirchen zu tun zu haben.

Das klärt sich schnell, wenn man den 82 Meter langen und 52 Meter breiten fünfschiffigen Innenraum betritt. Über dem Mittelschiff erhebt sich der Glockenturm, über dem Hauptaltar eine gewaltige Kuppel. Wie überall um diese Zeit ist hier schon die Weihnachtskrippe vorbereitet. Das außergewöhnliche an ihr: die lebensgroßen Figuren bestehen aus weißblau bemaltem Porzellan.

Anschließend wollen wir eine zweite Kirche in einem Vorort der Stadt besuchen, San Francisco Acatepec. Sie ist für ihre farbenprächtige und detailreiche Fassade berühmt. Als wir auf der Schnellstraße durch Cholula fahren, glauben wir sie schon auf der linken Seite zu entdecken. Doch unser Navi führt uns auf die rechte Straßenseite in eine kleine Gasse. Nach wenigen Metern sollen wir am Ziel sein. Bei der deutlich schmuckloseren Kirche handelt es sich jedoch um die Iglesia Barrio Santiago, die sich ebenfalls – und da liegt der Fehler – im Stadtteil San Francisco Acatepec befindet. Dennoch lohnt ein Besuch. Der Jesus im Altarraum hängt nicht wie gewohnt an einem Kreuz, sondern reitet hoch zu Ross unter einem Baldachin gen Kirschenschiff. Gerade wird er für die Weihnachtsfeierlichkeiten gründlich gewaschen.

Schließlich haben wir den 400 Meter entfernten Templo de San Francisco Acatepec auf der anderen Straßenseite dann doch noch gefunden. Die Fassade des Hauptportals ist vollständig mit bunten Keramikfliesen (Azulejos) und roten Ziegeln verkleidet. Auch der üppig ausgeschmückte Innenraum muss sich nicht verstecken. Offensichtlich ist er ein beliebtes Ziel für Hochzeiten und Kindstaufen. Kaum ist eine beendet, steht schon ein weiteres Brautpaar für die nächste Zeremonie bereit.

Vor uns liegt noch eine längere Fahrt. Wir wollen heute in der Nähe von Oaxaca übernachten. Für die 385 Kilometer lange Strecke prognostiziert Google Maps eine Fahrzeit von rund 5 Stunden. Die brauchen wir dann auch und erreichen kurz nach Einbruch der Dunkelheit unser Quartier in Teotitlán del Valle. Das vielleicht 6.000 Einwohner zählende Örtchen ist für seine Teppichweberinnen bekannt. Um diese Zeit sind die Straßen wie ausgestorben. Für den abendlichen Hunger gibt es nur eine kleine Taquería wenige Blocks von unserem Hotel entfernt.

Wir haben gerade die köstlichen Tacos verspeist, als vor dem Tor eine Prozession vorbeizieht. Eine Posada auf dem Weg zur Herberge des heutigen Abends. Es sind die einfachen Menschen der Gemeinde, die sich hier auf den Weg gemacht haben. Josef und Maria werden in Form kleiner Krippenfiguren in einer Sänfte am Ende der Prozession getragen. Diese endet zwei Blocks weiter vor dem Tor eines unscheinbaren Anwesens. Wir kommen gerade rechtzeitig, als den Quartiersuchenden Einlass gewährt wird.

Im Innenhof knien die Menschen im Halbrund vor einer Krippenlandschaft und sprechen ein Gebet. Dann werden die beiden Figuren aus der Sänfte genommen und in die kleine Hütte des Krippenensembles gestellt.

Doch nicht nur ihnen gilt die Gastfreundschaft der Familie. Der Hausherr und seine Kinder verteilen großzügig mit Käse gefüllte Tamales, die aus Maisteig bestehen und in Maisblätter eingewickelt sind. Dazu gibt es Becher mit heißer, nach Zimt duftendeb Horchata. Zum Schluss folgt der Höhepunkt für die Kinder. Eine mit Süßigkeiten gefüllte Piñata in Form eines Einhorns wartet darauf, mit wenigen Stockschlägen aufgebrochen zu werden.

Unterkunft:
Teocalli
Avenida B. Juarez 141-145, esq. Francisco I madero, Teotitlán del Valle, 70420, Mexiko

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