Auf Feldwegen durch das Tana Turaja

id-sw_2014-12-28-DSC_0090Nahe der Straße von Rantepao nach Palopo liegt das kleine Dorf Marante. Auf dem Weg zum Fluss steigt rechts eine Felswand empor, die auch heute noch für Bestattungen genutzt wird. Neben neueren Nekropolen aus Beton kann man einige in den Stein gehauene traditionelle Felsengräber sowie Galerien mit zum Teil verwitterten Tao Tao entdecken. Die abgestellten Tragen in Form der klassischen Toraja-Architektur künden davon, dass sie erst kürzlich benutzt wurden.

id-sw_2014-12-28-P1090632Weiter östlich kommen wir zum Dorf Nangala. Nach Bezahlung der für offizielle Sehenswürdigkeiten üblichen 20 Tsd Rp. (1,30 Euro) dürfen wir den Dorfplatz betreten. Linkerhand wird er von üppig bemalten Reisspeichern unterschiedlichen Alters gesäumt, denen die Wohnhäuser und Ställe gegenüber liegen. Bis auf ein paar Knallfrösche, die zwischen Weihnachten und Sylvester überall von begeisterten Kids abgebrannt werden, ist es ein ruhiger Sonntagvormittag. Drei Frauen sortieren und reinigen auf traditionelle Weise von Hand den Reis. Kinder toben über den Platz und freuen sich darüber, den neugierigen Fremden einen Blumenregen über die Köpfe zu werfen. Wir durchqueren die Anlage und hören schon in der Ferne das typische Pfeifen von Flughunden. Diese haben in einem Bambushain hinter den Reisspeichern ihr Schlafquartier.

id-sw_2014-12-28-DSC_0077Unser Fahrer liebt Nebenstraßen oder besser gesagt Feldwege. Die sind nur einspurig befahrbar und so eng, dass es schon entsprechender Fahrkünste bedarf, in annehmbarer Geschwindigkeit unfallfrei von A nach B zu gelangen. Kommt dann doch einmal ein Moped oder Minivan entgegen, findet John immer eine kleine Einbuchtung zum Ausweichen und klappt schnell den Seitenspiegel ein. Jenseits der Hauptstraßen haben wir so die Gelegenheit, ursprünglich gebliebene Orte und Gehöfte inmitten der Reisterrassen zu entdecken.

id-sw_2014-12-28-DSC_0049Hier spielt sich das Leben so ab, wie seit vielen Generationen. Die traditionelle Architektur wird auch heute noch gepflegt. Die Bauweise folgt aber nicht mehr den überlieferten Techniken. Die Dächer werden mit Wellblech anstatt wie früher üblich mit Bambus gedeckt. Das Metall rostet allerdings in dem feuchtheißen Klima schneller als der widerstandsfähige harte Bambus. Einziger Vorteil: ein Reisspeicher ist auf Betonpfeilern und mit Blechdach deutlich schneller errichtet, als aus Holz und Bambus allein. Auch die Plattform unter dem Speicherstockwerk ist nicht länger aus Holz sondern ruht als geflieste Betonplatte auf den Pfeilern. Die Anordnung von Speichern, Ställen und Wohnhäusern bleibt dagegen traditionell. Ein Blick hinter die Gebäude zeigt jedoch mancherorts bereits moderne sanitäre Einrichtungen und die unvermeidlichen Satellitenschüsseln in XXL.

id-sw_2014-12-28-DSC_0093Nordwestlich von Rantepao befinden sich die Megalithen des Friedhofs von Bori. Diese dürfen nur bei Beerdigungen aufgestellt werden, bei denen mindestens 25 Büffel geschlachtet wurden. Über eine Treppe gelangt man zu einem unvermittelt im Bambuswald liegenden riesigen Gesteinsbrocken, in den mehrere Felsengräber geschlagen wurden. Ein anderer Weg, der vom Eingangsbereich mit den Fels-Stelen abzweigt, führt an weiteren Felsengräbern vorbei zum hinteren Ausgang des Begräbnishügels. Auf der anderen Straßenseite befindet sich ein Baum für die Baby-Bestattung. Ob er wie die Felsengräber auch heute noch seiner Bestimmung gemäß genutzt wird, ist schwer zu sagen.

id-sw_2014-12-28-DSC_0153Am frühen Nachmittag erreichen wir Ke’te Kesu. Das am besten erhaltene Dorf in Tana Toraja ist eine Touristenattraktion. Zurzeit sind Schulferien und ganz Indonesien scheint sich in dem unbewohnten Museumsdorf zu treffen. Egal ob man aus Jakarta oder einem 25 Kilometer entfernten Dorf kommt: man muss hier gewesen sein. Unter den inländischen Touristen fallen die vereinzelten Ausländer natürlich auf und sind eine Attraktion an sich. Alle paar Meter wollen sich Familien oder Schulklassen mit den Fremden fotografieren lassen.

id-sw_2014-12-28-DSC_0162Hinter dem Dorf führt ein betonierter Weg an Verkaufsständen vorbei zu einem weiteren Begräbnisfelsen. Entlang der Treppenstufen befinden sich zahlreiche hängende Gräber und verwitterte Holzsärge, aus denen Schädel und Knochen herausfallen. In der Höhle am Ende des Weges werden auch heute noch Särge abgestellt. Im Gegensatz zum Dorf wird der Friedhof auch heute noch genutzt.

Abends erwartet uns in unserem Quartier eine ganz besondere kulinarische Spezialität des Tana Turaja. Das Pia’s Poppies ist bei Travellern nicht nur als Unterkunft beliebt, sondern auch bekannt für das erstklassige eigene Resteraunt.

id-sw_2014-12-28-P1090659Es empfiehlt sich in jedem Fall, rechtzeitig vorzubestellen, wenn man beispielsweise ein „Papiong duku bai“ genießen will. Das mit einem geschmacklich dem Grünkohl (Daun mayana / sayur bulunangko) ähnelnden Gemüse, Zitronengras und diversen Kräutern im Bambusrohr langsam gegarte Schweinefleisch wird mit schwarz gefärbtem Reis serviert. Ein Genuss! Zum Nachtisch gibt es noch eine weitere Spezialität der Region: Deppa tori ist ein Gebäck aus Mehl, Palmzucker und Sesam.

Unterkunft:
Pia’s Poppies
Jl. Pongtiku, Rantepao
Email: poppiestoraja@yahoo.co.id

Guide:
Yatim Sucipto
Jl. Adelweis No. 5, Malango Rantepao
Email: yatim.sucipto@yahoo.com

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