Klotok mit Piratenflagge

Tags zuvor sind wir in Jakarta gelandet und heute Morgen mit einem Inlandsflug von der Insel Java weiter nach Pangkala Bun auf der Insel Kalimantan, dem indonesischem Teil Borneos geflogen. Wie üblich haben wir zwar einige Vorstellungen zu den Möglichkeiten, die uns dort erwarten. Vorgebucht haben wir freilich nichts. Vor Ort sieht es bekanntlich oft ganz anderes aus. Das gilt außerhalb der Hauptsaison auch und vor allem für die Preise. Ziel ist eine dreitägige Tour mit zwei Übernachtungen auf einem Boot zu den Orang Utans im Tanjung Puting Nationalpark.

Mit unserem Flieger kommen vor allem Einheimische. Touristen sind um diese Zeit weniger unterwegs. Folglich lauern auch nicht Heerscharen von Schleppern der örtlichen Reiseveranstalter am Ausgang, lediglich die Mitarbeiterin von Satria Majid Tours hat sich in Stellung gebracht. Das Angebot erweist sich als verhandelbar und wir sind uns schnell einig. Mit dem Taxi fahren wir zum Hafen von Kumai, der Ausgangsbasis für die Touren.

Ab dem Ortseingang fallen merkwürdige fensterlose Betonklötze ins Auge. Für ein Wohnsilo taugen sie eher nicht. Lagerhallen sind es aber auch nicht. Einen Hinweis könnte das permanente zwitschernde Geräusch geben, wenn man es richtig deuten könnte. Später erfahren wir, dass es sich dabei um Schwalbenrufe vom Band handelt, die die Mauersegler zum Nestbau in die dunklen Bruttürme locken sollen. Hier wird nämlich eine besondere Delikatesse für den chinesischen und japanischen Markt produziert: Schwalbennester, eine Suppeneinlage, die angeblich potenzfördernd ist. Die aus dem Speichel der Vögel gebauten Nester werden kurz vor der Eiablage geerntet und gelangen ausnahmslos in den Export.

Es ist Freitag und der Markt über Mittag geschlossen. Die Abfahrt des Klotok verzögert sich ein wenig, da die Köchin Botet noch Nachschub besorgen muss. Als dann noch ein zusätzlicher „Assistent“ auftaucht, ist die vierköpfige Besatzung komplett. Wir sind die einzigen Passagiere an Bord. Unser Guide Zaky erzählt uns bei einem kleinen Snack, dass er vorher als „Bad Guy“ bei einer örtlichen Abholzungsfirma gearbeitet habe. Damals war er für die optische Aufforstung eines schmalen Uferstreifens zuständig, der den Touristen Urwald vorgaukeln und die dahinterliegenden weiten Palmölplantagen verstecken soll.

Neben der indonesischen Flagge flattert eine Piratenflagge, eine Reminiszenz an die Anime-Serie, die dem Boot ihren Namen gab. Bereits nach wenigen Minuten biegt die „One Piece Star“ in den Sekonyer-Fluss ein – links die (versteckten) Plantagen, rechts der Tanjung Puting Nationalpark. Der Name des Flusses leitet sich von der „Sikunir“ ab, einem Piratenschiff, das hier 1832 gesunken ist. 

Gegen drei Uhr erreichen wir das erste der drei Camps. Nach einem kurzen viertelstündigen Fußmarsch durch den Urwald kommen  wir zu einer Fütterungsplattform. Eine Orang-Utan-Familie mit Kind macht sich bereits über die hier ausgelegten Bananen her. Erste Regentropfen kündigen die nächste  Dschungelattraktion an: Sekunden später rauscht urplötzlich heftiger Regen über uns herab. Eine Regenwalddusche, bei der es kein Entkommen gibt. Schnell noch ein paar Fotos und dann treten wir den Rückzug an.

Wieder an Bord bleibt uns noch ein wenig Zeit, im Trockenen dem Regenkonzert zu lauschen, bis es wieder vom lauten Zirpen der Zikaden abgelöst wird. Nach Einbruch der Dunkelheit zaubert unsere Köchin dann ein leckeres Abendessen mit Gemüse, Tofu und vielen frischen Garnelen auf den Tisch. Dafür, dass wir mal wieder aufs Geratewohl losgezogen sind, hat wieder mal alles bestens geklappt.

Unterkunft:
Satria Majid Tour
Jl. HM. Idris No. 600 Rt. 12 Rw. 003
Kumai Hulu 74181, Kalimantan Tengah Indonesia

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