Ein Fels wie aus purem Gold

mm-2014-01-06--DSC_0074Mit dem Win Express fahren wir nach Kyaikto. Abfahrt ist pünktlich um 10 Uhr vom zweiten großen Busbahnhof Yangons, Aung Mingalar. Der Bus ist wieder einmal ein älteres Modell, bei dem sich Fenster und Türen schwer schließen lassen. Deshalb bleibt die vordere Tür auch während der Fahrt offen. Wir sitzen in der ersten Reihe direkt vor der Kühlbox. Dort werden aber keine kalten Getränke gelagert. Hier befinden sich die Bethel-Rationen für Fahrer, Beifahrer und Ticketkontrolleur.

mm-2014-01-06--DSC_0025Unter ständigem Hupen bahnt sich der Bus seinen Weg aus der Stadt. Wir sind die einzigen Ausländer an Bord, was sogleich die Helferinstinkte einiger Mitreisender auf den Plan ruft. Ein junger Mann aus Yangon erklärt uns in bestem Englisch, er wäre schon mehrmals in Kyaikto gewesen und begleite nun eine Gruppe Jugendlicher von der anderen Flussseite Yangons zum goldenen Felsen. So wie er das erzählt, gewinnt man den Eindruck, er sei ein erfahrener Großstädter, wogegen die anderen hilfsbedürftige Landeier sind. Als wir ihm erzählen, dass wir nicht zum ersten Mal zum Golden Rock unterwegs sind, haben wir seine volle Bewunderung. Seine Hilfe können wir aber dann doch gut gebrauchen. Nachdem wir an der Basisstation im Dorf Kinpun angekommen sind, ruft er von seinem Handy aus in dem von uns gewählten Hotel an, ob mit der zwei Tage zuvor getätigten Reservierung auch wirklich alles geklappt hat. Das Hotel befindet sich nämlich direkt oben auf dem Berg. Da wäre es mehr als ärgerlich, vergeblich mit Sack und Pack hochzufahren.

mm-2014-01-06--DSC_0030Sobald alles geklärt ist, machen wir uns auf den Weg. Mit einem Allradtransporter kann man seit einem halben Jahr bis auf den oberen Bergkamm unweit der Pagodenplattform fahren. Vor zwei Jahren durften Ausländer nur die Hälfte der Strecke so bequem hinter sich bringen. Den Rest musste man dann zu Fuß hinaufkraxeln. Der steile Anstieg dauerte mehr als eine Stunde und war in der Hitze selbst mit leichtem Gepäck nur mit zahlreichen Pausen zu bewältigen. Bequemer ging das natürlich mit einer Sänfte, was wir damals allerdings nicht nutzen wollten. Die vier Träger pro Person und Sänfte sind jetzt weitgehend arbeitslos, wären da nicht einige fußkranke Japaner, die sich noch die letzten 300 Meter von der Bergstation bis zum Pagodeneingang tragen lassen.

mm-2014-01-06--DSC_0048Das Hotel unserer Wahl wurde erst vor 10 Monaten eröffnet und liegt auf der anderen Seite der Pagodenplattform. Zwei Trägerinnen überzeugen uns mit ihren Kiepen die beiden 20 Kilo schweren Rucksäcke dorthin zu tragen. Dankbar nehmen wir das Angebot an. Auch ohne dieses Gewicht auf dem Rücken sind die Treppen hinauf zur Plattform und hinunter zum Hotel schweißtreibend genug.

mm-2014-01-06--DSC_0080Am späten Nachmittag haben wir ausreichend Zeit, die besondere Atmosphäre dieses Ortes in uns aufzunehmen. Der Golden Rock ist ein überhängender Felsbrocken auf einem Vorsprung, der der Sage nach von einem Haar Buddhas davon abgehalten wird, herunterzufallen. Die Felseninsel, auf der der vollständig vergoldete Brocken ruht, darf nur von Männern zum Zweck des Anklebens von Blattgold betreten werden. Die Frauen müssen vor dem Steg warten und verrichten vor einer Brüstung mit zahlreichen Glöckchen ihre Gebete und brennen Räucherkerzen ab.

mm-2014-01-06--P1080167Auf dem Platz vor dem Felsen tummeln sich Gläubige, die zum Gebet in Richtung Fels streben. Kinder toben herum und Familien bereiten ihr Nachtlager auf den Fliesen mit Bambusmatten und bunten Decken. Etwas weiter spielen ein paar junge Leute Gitarre, andere fotografieren sich gegenseitig mit Handy, iPad oder Digitalkamera. Zwischen all dem Trubel finden sich immer wieder Oasen der Ruhe, meditieren Mönche und sind Menschen in innige Gebete versunken.

mm-2014-01-06--P1080241Wir bleiben bis zum Sonnenuntergang auf dem Platz und ziehen uns erst bei Einbruch der Dunkelheit ins Hotel zurück. Nach dem Essen wandern wir noch einmal über den Platz, auf dem jetzt ein Mönch über Lautsprecher verstärkt aus buddhistischen Schriften in einer Art Sprechgesang vorträgt. Die wenigen Touristen, die sich am Nachmittag mit ihren Guides noch unter die Einheimischen mischten, sind verschwunden. Wir sind mal wieder die einzigen Langnasen vor Ort und werden alle paar Meter selbst zum Fotomotiv. Während es auf dem Platz langsam ruhiger wird und sich die Menschen in ihre Decken wickeln, streben wir mit den anderen Glücklichen, die einen Platz in einer der Herbergen ergattern konnten, zurück zum Hotel.

Unterkunft:
Yoe Yoe Lay Hotel
Kyaiktiyo

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