Das Quartier über dem verrückten Eismacher

Zu den wichtigsten Kriterien bei der Auswahl einer Unterkunft zählen für uns die Zugänglichkeit ggf. mit Aufzug, eigenes Bad, Fenster, eine praktikable Größe, die eventuell  auch einen kleinen Schreibplatz anbietet, und natürlich Lage, Lage, Lage. Möglichst zentral sollte es schon sein, nach der Entfernung zum Zentrum lässt sich meist gut sortieren. Auf die Fotos des Anbieters kann man sich nur bedingt verlassen, auch wenn sie bereits einige Hinweise auf das Vorgenannte geben können. In Abwandlung von Churchills Statistik-Zitat gilt: „Trau keinem Foto, dass Du nicht selber harmonisiert  hat.“

Oder frei nach Sir William:
„KI oder nicht KI, ist hier nicht die Frage.
Ob‘s wirklich, was der Blickwinkel suggeriert, siehst Du  erst vor Ort
Und dann musst Du entscheiden,
Ob Schild zu erheben gegen Meer von Plagen
Und sie durch Widerstand zu enden…“

Der Fahrer unseres VinFast E-Autos, der uns in  2 Stunden die 73 Kilometer lange Strecke von  My Tho bis zur Adresse in Ho Chi Minh City gebracht hat, ist leicht verzweifelt. Sein Navi schickt ihn mehrfach um den Block, den Zugang zum Ziel hat er in einer Nebenstraße verortet und da ist einfach nichts zu sehen von einem „We Home…“.

Entnervt gibt er auf und ich beschließe, zu Fuß nach einem Weg zu suchen. Ganz so wie früher, als der eine bei den Rucksäcken blieb und der Partner nach der Unterkunft suchte. Also rein in die nächste Sackgasse und labyrinthisch ein paar Mal ums Eck marschiert, um schließlich ein Schild mit der gesuchten Aufschrift zu entdecken. Das hängt freilich unscheinbar neben einem Eisladen, dessen Besitzerin nur mit der Axel zuckt und auf eine Telefonnummer verweist. Die ist zum Glück WhatsApp-kompatibel, so dass sich bald eine kleine Konversation mit dem Verwalter von „We Home“ entspinnt. Okay, es handelt sich hier um ein „Serviced Apartment“, einer  Mischung aus Wohnung und Hotel bei denen der Fokus auf das Wohnen und die Selbstversorgung, weniger auf den Hotel-Service gelegt wird. Daher gibt es keine Rezeption vor Ort.

„Das Zimmer liegt im 4. Stock, die Tür ist offen, der Schlüssel liegt auf dem Tisch.“ Okay, das schau ich mir mal genauer an. Hinter einem Vorhang an der Rückwand des Eismachers geht eine Treppe hoch, von einem Aufzug keine Spur. Den gibt es erst ab dem ersten Stock. Gottseidank! Aber den Geruch im Zimmer sollte sich vielleicht doch mal jemand von den Eignern „anschauen“. Das wird auch zugesichert, eine Mitarbeiterin käme in einer halben Stunde vorbei. Genug Zeit also, zu den Rucksäcken zurückzugehen und diese zusammen mit Cosy die 250 Meter bis ins Zimmer zu bugsieren..

Offensichtlich war das Zimmer eine Zeitlang unbewohnt gewesen, was wohl die Ursache für den olfaktorischen Angriff ist, der mich eingangs bei Betreten des Raumes überfiel. Der verflüchtigte sich dann auch weitgehend, nachdem die Mitarbeiterin die üblen Geruchsgeister mit Hilfe des geöffneten Fensters auf dem Küchen-Balkon , eines Geruchssprays und einer mehrfachen Spülung der Abflüsse fürs Erste erfolgreich vertreiben hatte. Das Geld fürs Zimmer muss bar entrichtet werden und sie begleitet mich schnell zum nächsten Geldautomaten.

Das weckt die nächsten Begehrlichkeiten, der Weg führt wieder zweimal durch den Eisladen. Die Sorten klingen arg verführerisch: „Cherry Lady“, „Funfetti“, „Cookie Monster“ usw. Die Zutaten haben es in sich. Mal ist Rotwein, Champagner oder im Fall des bekanntermaßen blauen Krümelmonsters Blue Curacao die gehaltvolle Basis. Angereichert durch weitere passende Zutaten. Die können auch ausgefallen sein, wie wir das vom „Verrückten Eismacher“ aus München kennen. Der war hier wohl Vorbild oder ist zumindest ein entfernter Verwandter … Das „Flying Pig“ enthält neben Whiskey und Ahornsirup noch Schweinespeck als Geschmacksträger.

Nachdem wir uns mit zwei großen Eiskugeln für die Widrigkeiten der heutigen Quartierwahl entschädigt haben, fahren wir noch ein weiteres Mal zu der Schmuckherstellerin, bei der Cosy zu Beginn der Reise eine Tigeraugen-Kette hatte maßschneidern lassen. Eine zweite mit größerem Perlendurchmesser soll diese ergänzen. Das ist problemlos machbar und während eine Mitarbeiterin mit dem Auffädeln der Perlen auf eine neue Kette inkl. Verschluss-Montage beschäftigt ist, bringt mich die Besitzerin des Geschäfts kurzerhand auf ihrem Moped zum nächsten Geldautomaten. Auch hier gilt: „Bares ist Wahres!

Shopping:
Nhut Trinh 62

62 Nhiêu Tâm Phường An Đông
( phường 5 quận 5 cũ)

Essen & Trinken:
Scoopy Ice Cream – Nguyen Trai

7/12, Nguyễn Trãi, Phường Phạm Ngũ Lão,
Quận 1, Thành phố
 Hồ Chí Minh 700000, Vietnam

Unterkunft:
We Home Ben Thanh
Hồ Chí Minh 700000, Vietnam

 

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