Tempeltour und die Suche nach den Seesternen
Auch am zweiten Tag sind wir wieder mit Tai Duc unterwegs, der uns gleich nach dem Frühstück am Hotel abholt und zu dem, einer Meeresgöttin gewidmeten kleinen Dinh Cậu Tempel am Fischereihafen bringt, den wir gestern Abend in der Dämmerung beim Essen in ein einem Fischrestaurant auf der anderen Seite der Mole nur schemenhaft erkennen konnten. Heute Morgen haben kräftige Windböen den Himmel leergefegt und der kleine Felsen mit dem blau-weißen Leuchtturm und der kleinen Pagode strahlt grell in der Sonne. Ideales Fotowetter für weitere Entdeckungen auf der Insel.
Die Seestern-Verkäuferin vor dem Tempelaufgang bringt uns auf die richtige Fährte. Es soll auf Phú Quốc einen ganz besonderen Strand geben, an dem die roten , fünfarmigen Stachelhäuter zu finden sind. Der Starfish Beach liegt freilich an der Nordspitze der Insel und wir befinden uns in der Mitte. Und Tai willigt ein, uns die 25 Kilometer nach Norden zu bringen und schlägt noch ein paar Zwischenstopps bei weiteren Tempeln und Handwerkern vor.
Für eine weitere Spezialität der Insel wird gleich neben dem Tempel ganz direkt geworben. Die für zahlreiche asiatischen Gerichte unabdingbare Fischsauce, die in dieser Gegend produziert wird, gilt als die Beste überhaupt. Also fährt Tai mit uns erst einmal Richtung Süden zu einem bekannten Hersteller. Stolz zeigt uns ein Mitarbeiter von Công ty cổ phần Thương Mại Khải Hoàn die großen Holzfässer, in denen pro Fass 15 Tonnen Anchovis in Salz eingelegt und mindestens ein Jahr lang fermentiert werden.
Die zähe Flüssigkeit wird in Flaschen unterschiedlicher Größen gefüllt ,auf denen sich eine Grad-Angabe befindet. Sie gibt einen Hinweis auf den Stickstoffgehalt pro Liter und damit auf den Proteingehalt und die Qualität der Sauce. Da für einen höheren °N-Wert (z.B. 42, 46 oder 48) eine größere Menge Fisch und eine längere Fermentation nötig sind, steigt der Preis mit der Zahl deutlich an. Den Unterschied schmecken wir bei der Verkostung sofort, die 48er ist nicht nur weniger salzig als gewohnt, sondern fast schon pur genießbar…
Da wir uns für diesen „Handwerks“-Besuch zunächst in Richtung Süden bewegt haben, macht Bao einen weiteren Abstecher weiter südlich und es geht ein wenig bergauf. Die erst 100 Jahre alte Su Muon Pagode besteht aus einer weitläufigen Klosteranlage an einem Berghang. Viele Stufen führen zum Ziel: Einem beeindruckenden liegenden Buddha, der am Ende der Treppen wartet. Danach sind wir zwar ein wenig erschöpft, aber immer noch aufmerksam genug, um auf der Rückfahrt um einen weiteren Stopp zu bitten.
Hinter den Büschen und Mauern am Straßenrand ist ein äußerst merkwürdiges Gebäude zu erkennen, das einem Märchenschloss oder einer Burg ähnelt. Es ist weder das eine noch das andere, sondern gehört dem Hersteller eines besonderen Beeren-Weins, einer weiteren Insel-Spezialität. Der Wein wird aus den kleinen, rötlichen Beeren der Sim-Myrte gekeltert. Der Weinkeller von Vườn Sim Thành Long bleibt uns zwar verschlossen, eine kleine Weinprobe ist im Verkaufsraum aber dennoch möglich. Für Naschkatzen gibt‘s dort auch eine alkoholfreie Variante des eingedickten Safts der aromatischen Früchte in Form von Gelee-Konfekt. Der Geschmack ähnelt stark dem von Blaubeeren, ist nur etwas intensiver…
Und weil wir schon beim Verkosten lokaler Produkte sind, folgt kurz darauf noch ein weiterer Zwischenstopp bei einer Wildhonig-Farm (Công Ty TNHH Mật Ong Rừng Phú Quốc). Nachdem ich einen Hut mit Netz übergestülpt bekommen habe, bringt mich der Imker zu den Bienenstöcken, zieht vorsichtig Wabe für Wabe heraus, bis er mir schließlich eine mit der von zahlreichen Arbeiterinnen umringten Königin zeigt. Anschließend folgt im Verkaufsraum die übliche Verkostung. Die hat in sich. Eine Aromatisierung mit Zitronen ist noch nichts Besonderes, mit Ingwer ebenfalls, aber ein mit Knoblauch angereicherter Honig ist dann doch eine überraschende Attacke auf die Geschmacksnerven. Umami geht anders…
Bevor es dann endgültig Richtung Norden geht, macht Tai noch einen Abstecher zum Hộ Quốc Tempel, wo es einmal mehr treppauf geht, bis man oben bei einer strahlend weißen Lady Buddha Statue angelangt ist, die bei der Anfahrt bereits aus der Ferne zu sehen war. Am Ende der ersten rund 60 Stufen kann man nicht nur kurz verschnaufen, sondern auch gegen eine kleine Spende rote Bänder kaufen und mit seinen Wünschen versehen. Die werden dann an ein Gitter geknotet, damit der Wind sie zu der Gottheit emporträgt. Irgendwie gefällt mir diese Variante besser, als Schlößer an Brückengeländer zu schließen.
Gegen 14 Uhr fahren wir dann weiter Richtung Seestern-Strand, der nur per Boot erreichbar ist . Den Anlegeplatz erreichen wir eine knappe Stunde später und kaufen uns zwei Tickets für die Überfahrt (ca. 20 Euro). Eine Viertelstunde später wartet dann ein sich endlos dahinziehender schmaler Steg. Wenn dann bei einer Breite von vielleicht 30 Zentimetern auch noch Gegenverkehr kommt, wird der Weg zum Balanceakt und ich bin einer entgegen gestreckten Hand außerordentlich dankbar, die meinem schwankenden Gleichgewichtssinn wieder Sicherheit verleiht,
Zur Belohnung wartet am anderen Ende ein Strandabschnitt, an dem sich bereits viele Touristen tummeln, die in dem kristallklaren Wasser nicht nur Baden, sondern auch Seesterne entdecken wollen. Die Flut ist kurz vor dem höchsten Wasserstand, so dass man die meisten von Ihnen im glasklaren Wasser sehen kann. Einen hat es allerdings an den Strand gespült und er scheint auf die nächste große Welle zu warten, die ihn wieder mit ins feuchte Nass nimmt.
Wir haben genug gesehen und balancieren über den Steg wieder zurück zum Transferboot, denn wir wollen noch vor Sonnenuntergang in der Stadt zurück sein. Das Timing ist perfekt. Nachdem wir uns kurz im Hotel frisch gemacht haben, bringt uns Tai in das Fischrestaurant vom Vorabend. Dort erleben wir diesmal einen perfekten Sonnenuntergang, bei dem ein Teil des Himmels von kleinen Schäfchenwolken bedeckt wird und regelrecht zu glühen scheint.
Essen und Trinken:
Hải sản Động Tôm Hùm – Lobster Cave seafood
1 Đường Bạch Đằng, phường,
Phú Quốc,
Unterkunft:
Sun Viet Resort Phu Quoc
60 Tran Hung Dao, Duong Dong,
Phú Quốc, Vietnam
