Die längste Seilbahn der Welt

Wie lockt man möglichst viele Touristen auf eine ursprünglich ziemlich einsame Insel, wenn man sie zur Top-Destination des Landes entwickeln will? Neben den von der Natur spendierten endlosen Sandstränden, kann ein menschgemachter Rekord sicherlich nicht schaden. Die Hòn Thơm Seilbahn, die mit fast 8 km Länge (7.899,9 m) die Inseln Phú Quốc und Hòn Thơm verbindet, hat es zu einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde gebracht.. Aber was hat die „Perleninsel“ sonst noch zu bieten? Das kann man natürlich über ein Reisebüro mit unterschiedlichen Gruppentouren oder auf eigene Faust erkunden. Es trifft sich gut, dass Tai Duc, der uns gestern vom Flughafen zum Hotel brachte, das Angebot gemacht hatte, uns für rund 25 Euro sechs  bis acht Stunden zu den von uns  gewünschten Zielen zu fahren.

Erste Station ist die Ngoc Hien Pearl Farm, die mit einem Rundweg, der mit einer umfangreichen Sammlung von Fundstücken von chinesischem Porzellan aus Schiffswracks und Fossilien beginnt, die Besucher in die großflächigen Verkaufsräume lotst. Nebenbei erhält man zu Beginn eine kurze Demonstration, wie die Austern „motiviert“ werden, eine Perle zu produzieren. Die Perle ist kein Zufallsprodukt mehr, sondern  wird durch Einpflanzen eines Fremdkörpers in die Muschel gezielt getriggert. Vielleicht noch interessanter als die klassisch weißen Perlen sind aus versteinerten Korallen gefertigten Artefakte, die hier ebenfalls angefertigt werden,

Wir fahren weiter an die Südspitze der Insel nach „ Sunset Town“ dem Ausgangspunkt der zuvor erwähnten Seilbahn. Am Ende der 15minütigen Fahrt in einer Höhe von bis zu 164 Metern befindet sich der Vergnügungspark „Sun World Thom Nature Park“ und ein „Aquatopia Water Park“. Die ursprünglich unbewohnte Insel Hòn Thơm hat sich in ein buntes asiatisches Disneyland verwandelt, für dessen „Attraktionen“ einschließlich einem „All-yo-can-eat-Buffet“ das Eintrittsgeld bereits zusammen mit den Seilbahntickets gebucht werden können. Das kann durchaus sinnvoll sein, um die Zeit bis zur Rückfahrt zu überbrücken, wenn man über die Mittagszeit auf der Insel strandet, wenn zwischen 11:30 und 13:30 keine Gondeln pendeln.

Während ich diese andere Seite erkunde, bleibt Cosy in „Sun City“. Auch diese Stadt hat nichts mit einem ursprünglichen Fischerort gemein, der sich hier befunden haben mag, bevor er durch ein auf italienisches Küstenstädtchen getrimmtes architektonisches Potpourri ersetzt wurde.  Da kann es schon mal passieren, das hinter einer Art Trevi-Brunnen ein Pseudo-Kolosseum um die Ecke lugt, in dessen Bögen Werbeposter für die hier angesiedelten Geschäfte hängen. Auch die bayerische Bierkultur wurde mit dem „Sun Bavaria GastroPub“ kurzerhand hierher verpflanzt. Und natürlich locken  wieder Superlative. Der Sonnenuntergang soll hier ganz besonders spektakulär und die Croissants des  französischen Edelbäckers Eric Kayser müssen natürlich „die Besten der Welt“ sein. Hauptsache die Touristen strömen. Die kommen heut nicht nur wie gewöhnlich aus China und Korea, sondern immer öfter aus Russland und Indien.

 

Weiter geht’s zum Bai Sao Beach, der für seinen puderweißen Sand und das ruhige, türkisfarbene Wasser bekannt ist. Auch hier setzt man auf den Fun-Faktor. Mit dem Jetski wird das Partyvolk nicht nur auf luftgefüllten Bananen oder Sofas über die Wellen gezogen, ein Ritt auf dem  Pokémon Pikachu ist ebenfalls im Angebot. Für den Zugang zum Strand müssen rund 2 Euro Eintritt bezahlt werden, die allerdings zu Zweidrittel beim Verzehr an der Strandbar zurückerstattet werden.

Als nächstes wir widmen wir uns den Handwerksbetrieben auf der Insel und besuchen einen Agar-Produzenten. Wieder führt ein Rundweg durchs Gebäude und erlaubt einen Einblick in die Produktion und Veredelung  dieses Harzes, das durch Pilzbefall eines Adlerholzbaumstammes entsteht, der – man ahnt es schon – entweder natürlich von Insekten oder künstlich von Menschenhand veranlasst wird. Aus dem Harz werden aber nicht nur exklusive Duftprodukte wie Räucherstäbchen, ätherische Öle und hochpreisige Parfums, sondern auch  Schmuck wie Meditationsperlen und Armbänder und sogar eine Art Wein hergestellt.

Damit nicht genug: Đảo Yến hat sich nicht nur auf Agar-Holz spezialisiert, sondern die Palette gleich um ein weiteres exklusives Produkt erweitert. Hinter dem Gebäude steht ein Turm, aus dem es lautstark zwitschert. Richtig, hier werden „Schwalbennester“ produziert. Das kennen wir schon seit unserer Reise nach Kalimantan, dem indonesischen Teil von Borneo. Die aus dem Speichel der Vögel „gebauten“ Nester werden aufwändig gereinigt und gewaschen. Sie gelten in Asien nicht nur als Delikatesse in Form einer Suppeneinlage sondern auch als  traditionelles Heilmittel,  da sie reich an Aminosäuren, Mineralien und Glykoproteinen sind, die angeblich die Haut verjüngen, das Immunsystem stärken und bei Atemwegsproblemen helfen sollen.

Der nächste Handwerksbetrieb, zu dem uns Bai fährt ist eine Seidenspinnerei. Auch hier verläuft die Besichtigung in Form eines Rundwegs, der zunächst Wissenswertes zur Produktion vermittelt und schließlich in den ausgedehnten Verkaufsräumen endet. Aber keine Sorge: Man kann, muss aber nichts kaufen.

 

Letzte Station unserer Handwerks-Besichtigungstour ist eine kleine Pfefferfarm, die an einer Seitenstraße auf dem Rückweg liegt. Den schwarzen Pfeffer, der gerade auf großen Planen vor der Plantage getrocknet wird, würden wir gerne kaufen, aber hier  drängt sich niemand auf.

 

Doch: vorne an der Straßenecke ist ein regelrechter Gewürz-Supermarkt, der nicht nur die Körner sondern allerlei Würz- und aromatisierte Salzmischungen im Angebot hat.

 

 

Essen und Trinken:
Hải sản Động Tôm Hùm – Lobster Cave seafood
1 Đường Bạch Đằng, phường,
Phú Quốc,

 

 

Unterkunft:
Sun Viet Resort Phu Quoc
60 Tran Hung Dao, Duong Dong,
Phú Quốc, Vietnam 

 

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