Die Heimat des Teak

my_2015-12-24-DSC_0083„Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt.“ Wir haben die Berge der Karen östlich von Taungoo verlassen und sind jetzt westlich der Stadt in Richtung Norden unterwegs. Dieses Gebiet wird ebenfalls von den Karen bewohnt. Es heißt, das Gebiet von Taungoo bis zur Kleinstadt Pyay sei die größte zusammenhängende Fläche ursprünglichen Urwalds in Myanmar. Von den meisten Reisenden unbemerkt. Wer schlicht von der einen in die andere Stadt fahren will, nutzt heutzutage den mehrspurigen Highway. Auf der schmalen Straße durch die bewaldeten Hügel geht es schließlich wesentlich langsamer voran.my_2015-12-24-DSC_0045Mit durchschnittlich 30 km/h kämpfen wir uns kurvenreich durch enge Serpentinen scheinbar endlos bergauf und bergab durch grüne Wälder und nicht minder grüne Wüsteneien. Vom ursprünglichen Urwald ist nämlich häufig nicht mehr viel geblieben. Die Gegend wird nicht umsonst auch die (goldene) „Heimat des Teak“ genannt. Das kostbare Tropenholz wurde in der Vergangenheit meist rücksichtslos abgeholzt und für harte Devisen ins Ausland verkauft. Mittlerweile scheint man dazu gelernt zu haben. Natürlich wird immer noch Teak „geerntet“, allerdings auf in ihren Grenzen fest definierten Plantagen. Auch mit der Wiederaufforstung nimmt man es plötzlich sehr genau. Die Folgen des rücksichtslosen Raubbaus waren schließlich nicht mehr zu übersehen – Irgendwann war es auch den großen Abholzungskonzernen klar, dass der kostbare Devisenbringer endlich ist…

my_2015-12-24-DSC_0065Alle paar Kilometer fahren wir durch kleine Dörfer. Die Menschen haben nicht viel von den Gewinnen der Teakverkäufe mitbekommen. Sie leben wie schon seit Generationen in einfachen Hütten auf für ihre Größe viel zu großen Teakpfählen; die Dächer meist Wellblech, die Wände aus Bambusmatten. Auch in Sachen Religion geht es dem Alltag angemessen rustikaler zu. Hier stehen nicht die anspruchsvollen Lehren des Buddha im Zentrum des Interesses, selbst kleine goldene Stupas muss man lange suchen. Wer hier lebt, sucht Erlösung und Unterstützung bei den niedrigen Naturgeistern aus früheren Zeiten. Überall am Straßenrand stehen Geisterhäuschen, in denen gleich mehreren Nats geopfert wird. Sie stammen sowohl aus den höheren Sphären dieses animistisch geprägten Glaubens – wie ein unglücklich ums Leben gekommenes Geschwisterpaar und ein hinterrücks ermordeter Reiter auf weißem Pferd – oder waren einst weniger bekannte lokale Opfer eines ungnädigen Schicksals. Um zum Nat zu werden, bedarf es eines gewaltsamen Todes – am besten hinterrücks und mit böser Absicht gemeuchelt…

Unterkunft:
Lucky Dragon Hotel
No.772, Strand Road, Sandaw Quarter, Pyay, Myanmar

 

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