Ein veredeltes Wat

Es ist wieder da: Das Silverpacker-Feeling der ersten gemeinsamen Reisen, dass es so einfach macht, von der europäischen Taktung in den asiatischen Gelassenheitsmodus umzuschalten. Als der Minibus kurz vor Sonnenuntergang über die Straße jenseits der Grenze zu Thailand Ban Houayxay erreicht, scheint alles unverändert. Mal flattern an den Zäunen bunte, buddhistische Gebetsfahnen, mal die roten Fähnchen der laotischen kommunistischen Partei, gelegentlich kreuzt ein Moped und ein streunender Hund den Weg. Einer seiner Artgenossen bleibt selbstmordlüstern in der Fahrbahnmitte liegen, sollen doch die anderen ausweichen.

Wir waren am Vormittag von Chiang Mai in Richtung laotischer Grenze gestartet und hatten unterwegs noch einen Zwischenstopp am Wat Rong Khun in der Nähe von Chiang Rai eingelegt. Der strahlendweiße Gebäudekomplex ist allerdings keine buddhistische Tempelanlage im üblichen Sinn, sondern ein von dieser inspiriertes Gesamtkunstwerk, das von dem thailändischen Künstler Chalermchai Kositpipat auf den Ruinen des gleichnamigen Tempels konzipiert wurde. Es ist deshalb auch kein Widerspruch, wenn neben dem Eingang ein Tempelwächter eher einem Außerirdischen gleicht und auf einer Parkbank selfie-verliebte Besucher anlockt. Aus dem wirren Wurzelwerk vor einer Brücke vor dem Wihan strecken sich flehende Hände dem Besucher entgegen wie in einer Szene aus Pans Labyrinth von Guillermo del Toro.

Nicht von ungefähr weckt das Vorhaben Erinnerungen an Gaudis Sagrada Família. Auch diese Anlage ist noch lange nicht fertig, bislang sind es nur 20 Prozent. Mit dem Bau wurde 1997 begonnen, die Vollendung ist für 2070 anvisiert. Seinen Zweck als Touristenattraktion erfüllt es schon jetzt, die Investition zahlt sich aus: Die Besucher strömen scharenweise heran. Manchmal mischen sich unter die Ausländer, und Einheimischen ein paar Mönche in ihren grell-orangen Gewändern und fotografieren sich gegenseitig vor der surrealen Kulisse.

Für den Grenzübertritt müssen wir auf der einen Seite der Lao-Thai-Freundschaftsbrücke-Nummer-4 den Kleinbus verlassen und werden nach den üblichen Ausreiseformalitäten mit einem Linienbus über den Mekong transportiert. Dort warten gleich mehrere, sich offensichtlich gegenseitig kontrollierende Beamte, die das Einreiseprozedere in 5 Etappen begleiten, angefangen mit einer ersten Passkontrolle, dem Kassieren von 40 Baht Stempelgeld und einer Gebühr von ebenfalls 40 Baht fürs digitale Passfoto bis zum Einsammeln der 40 Dollar, wahlweise auch 1.800 Baht fürs Visa-on-Arrival und abschließendem Scan des bestätigenden QR-Codes am Ausgang des Checkpoints. Dort werden wir dann wieder in einen Minibus verfrachtet, der uns nach Ban Houayxay bringt.

Die Wartezeit beim Einchecken in unserer Unterkunft überbrücke ich mit einem Gespräch mit einem Einheimischen auf der anderen Straßenseite. Vor ihm liegt eine Wurzel in einer Plastiktüte, das hat mich neugierig gemacht. Sein Name ist Sai, Bonsai nennen ihn seine Freunde plaudert er munter mit breitem australisch-gefärbten Englisch drauflos. Das habe aber nichts mit seiner Größe, sondern mit seinem Beruf zu tun. Der 59jährige Laote lebt seit 40 Jahren im australischen Canberra als Züchter dieses Minibäume und ist zu Besuch bei seiner Mutter hier. Das Wurzelwerk stammt von einer Auberginen-pflanze und dient einem ganz anderen Zweck. Mit ihr soll der allseits beliebte Lao-Lao Schnaps eines Freundes veredelt werden, den er in den nächsten Tagen in der nähe von Luang Prabang besuchen will…

Unterkunft:
Oudomphone Guesthouse 2

Ban Houyxai Neau
Muang HouayXai, Bokeo,
01160 Ban Houayxay, Laos

Essen & Trinken:
Gecko Bar and Ice Cream

Ban Houyxai Neau
Muang HouayXai, Bokeo,
01160 Ban Houayxay, Laos

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