Wohnen im Museum

vn-2013-01-09-DSC_10006Das im wahrsten Sinne des Wortes wohl verrückteste Haus Vietnams ist nach wie vor eine Baustelle. Der surreale Gebäudekomplex erinnert an die Architektur Gaudis und Hundertwassers mit einem Schuss Fantasy aus Tolkiens Mittelerde. Seit Baubeginn 1990 werden immer wieder weitere Gebäudeteile begonnen oder gerade fertig gestellt. Manche sind wie Baumhäuser durch verwinkelte Treppen und Brücken miteinander verbunden, miteinander verflochten wie ein gigantisches Wurzellabyrinth. Derzeit können 10 Zimmer besichtigt oder bewohnt werden. Schöpferin dieser atemberaubenden Anlage ist die Architektin Dang Viet Nga. Die Tochter des zweiten vietnamesischen Präsidenten Truong Cinh (1981-1988), hatte zunächst in Moskau Architektur studiert und dann in ihrer Heimat damit begonnnen, ihre eigenwilligen Vorstellungen Stein werden zu lassen.

vn-2013-01-08-DSC_0008Wir waren am Vormittag mit dem Bus von dem bei russischen Pauschaltouristen beliebten Badeort Nha Trang gestartet und am frühen Nachmittag im 1.500 Meter höher gelegenen Da Lat angekommen. Zeitig genug, um in dem steingewordenen Märchen ein Zimmer zu ergattern – Cosy hatte es in der Vergangenheit schon zweimal vergeblich versucht.

Ob es am Wetter lag, das sich in den vergangenen Tagen nicht gerade von der Sonnenseite präsentierte? Jedenfalls war diesmal alles kein Problem. Wir konnten für die nächsten drei Nächte sogar zwischen zwei Zimmern wählen. Der Tiger-Raum gefiel uns am besten. Mit seiner runden Eingangstür, den höhlenartigen Wänden und der verwinkelten Raumteilung erinnert er irgendwie an eine Hobbit-Wohnhöhle im Auenland. vn-2013-01-08-DSC_0001Ein Traum, bei dem man jedoch sofort die Tür schließen und abschließen sollte, sobald man eingezogen ist. Denn tagsüber kann das Crazy House auch von Touristen besucht und fotografiert werden – von 7 bis 19 Uhr für rund 1,75 US$ Eintritt. Da rappelt dann schon mal der eine oder andere Neugierige an der Zimmertür.

Abends ist es dafür umso ruhiger. Sobald auch die Karaoke-Bar in der Nachbarschaft ihren Betrieb eingestellt hat, liegt nur noch das Quaken der Frösche der hauseigenen Teichlandschaft in der Luft. Und ein Blick durch die niemals rechteckigen Fenster lässt einen vergessen, dass man sich mitten in Vietnam befindet.

Übernachtung:
Crazy House (Hang Nga Gallery and Guesthouse)
3 Hhuynh Thuc Khang, Da Lat


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