Von Kokosnuss-Mönchen und Kaffeeröstern

vn-2013-01-16-DSC_0001Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Noch vor den Touristenströmen, die ab Mittag die Mekong-Inseln in der Nähe von My Tho überfallen, fahren wir gegen 9 Uhr an Bord eines kleinen Bootes in Richtung Con Lan. Die Einhorn-Insel wird erst seit rund 40 Jahren bewohnt. Heute leben hier etwa 300 Familien hauptsächlich vom Anbau zahlreicher Obstsorten und seit 10 Jahren auch von der Bienenzucht.

vn-2013-01-16-DSC_0008Die Touristen werden auf einem mit vielen Verkaufsständen gesäumten und gut ausgebauten Pfad quer durch die Plantagen geführt. Unterwegs warten in einem überdachten Restaurant Kostproben diverser Honigsüßigkeiten und mit Honig gesüßter Jasmin-Tee mit Zitrone und Pollen.

Auch auf der Nachbarinsel Con Quiz ist man auf Besucher bestens vorbereitet. Ein Restaurant auf der Schildkröten-Insel erwartet uns mit Kostproben von Ananas, Papaya und anderen exotischen Früchten. Nach kurzer Zeit gesellen sich zwei Musiker und fünf Sänger hinzu und spielen einige kurze Stücke der traditionellen Musik des Deltas.

vn-2013-01-16-DSC_0016Nachdem wir auf ein kleineres Boot umgestiegen sind, fahren wir durch einen schmalen, Palmen gesäumten Kanal, bis wir wieder den Mekong erreichen. Hier wartet schon unserer größeres Boot und bringt uns zur Phönix-Insel (Con Phung). Bereits von der Anlegestelle aus sind die Reste eines skurrilen Klosters zu sehen. Sie erinnern eher an ein verrostetes Disneyland mit Cao-Dai-Einflüssen als an einen spirituellen Ort. In der Anlage lebte bis 1990 Ong Dao Dua, der Kokosnuss-Mönch. Er gründete eine Religion mit dem Namen Tinh Do Cu Si, die Elemente des Buddhismus, Taoismus und Christentum miteinander vermischte.

vn-2013-01-16-DSC_0026Durchgesetzt hat sie sich nicht, wohl auch wegen der eher ungewöhnlichen „Visionen“ seines Gründers. So meditierte er zum Beispiel auf einer Plattform über Reisen ins All, auf die er sich mit Hilfe eines Aufzugs in Form einer Apollo-Rakete bringen ließ. Eine Plattform unter einer Brücke zwischen zwei Säulen, die die Städte Hanoi und Saigon symbolisierten und in einer Kartennachbildung Vietnams stehen, diente als Ausgangspunkt für Meditationen zur friedlichen Wiedervereinigung von Nord- und Südvietnam. So etwas gefielt weder den Herrschern vor als auch nach dem Vietnamkrieg, weshalb der Mönch und seine Anhänger ständig verfolgt und immer wieder eingesperrt wurden. Nach dem Tod des Asketen, der sich einmal drei Jahre lang nur von Kokosnüssen ernährt haben soll, löste sich die kleine Gemeinde auf und das Kloster verfiel.

vn-2013-01-16-DSC_0038Nächste Anlegestation ist die Ben Tri Provinz, wo wir die Kokosnuss-Bonbon-Fabrik Que Dua besuchen. Die klebrigen Süßigkeiten sind in mehreren leckeren Geschmacksrichtungen erhältlich. Als wir die Bonbon-Küche besuchen, werden gerade welche mit Duriam-Aroma produziert. Hinter der Produktionshütte wird noch ein weiteres traditionelles Handwerk ausgeübt. Selbstverständlich wird das hier gefertigte Reispapier mit Kokosmilch statt Wasser hergestellt.

Nach einem üppigen Mittagessen mit lokalen Spezialitäten fahren wir nach My Tho zurück. Morgens hatte uns der Geruch frisch gerösteten Kaffees geweckt. Auf die Frage nach der Quelle erklärt uns unser Guide Khanh, unweit unseres Hotels befände sich eine kleine Rösterei.

vn-2013-01-16-P1050921Da wir noch etwas Zeit bis zur Weiterfahrt haben, steht einem Besuch der Kaffeerösterei Quan Cafe nichts im Wege. Wir erfahren, das typische Aroma des vietnamesischen Kaffees hat in einigen Zutaten beim Rösten seinen Ursprung. So wird beispielsweise Kakaobutter hinzugefügt, was dem Kaffee aus den so behandelten Bohnen den unverwechselbaren schokoladigen Geschmack verleiht.

Die Fahrt nach Can Tho führt durch endlose Reisfelder. Im Delta wird 50 Prozent der gesamten Reisernte Vietnams produziert. Nur einmal war das anders. Zwischen 1975 und 1982 wurde der Reis knapp, als die Produktion der landwirtschaftlichen Produkte von privaten Erzeugern auf Kooperativen umgestellt wurde und unter anderem verstärkt Tapioka angebaut wurde. Heute sind Tapiokafelder eher selten. Eines von ihnen besuchen wir in der Nähe von Tra Vinh.

Übernachten:
My Kim Hotel
12 Tan Trao, Tan An Ward, Ninh Kieu District, Can Tho City

 

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