Fünf Tribes und eine Hochzeit

mm_2016-01-06-DSC_0014In der Umgebung von Kengtung leben ein Dutzend verschiedene ethnische Gruppen zum Teil in schwer zugänglichen Bergdörfern. Eine gute Gelegenheit, einige von ihnen zu treffen, bietet der Vormittagsmarkt in der Stadt. Nach dem Frühstück mischen wir uns ins Gewurle zwischen den Ständen auf und jenseits des Marktplatzes. Wir wollen ein paar Geschenke für die Kinder in den Dörfern kaufen, die wir heute besuchen wollen. Bonbons, Schreibhefte und Stifte gibt es einzeln und im Vorratspack. Genau das Richtige für unsere Zwecke.

mm_2016-01-06-DSC_0026Die Mehrheit der Marktbesucher sind Shan, aber auch zahlreiche Loi können wir entdecken, erkennbar an ihren weißen und schwarzen Kopftüchern. Viele von ihnen verdienen als Trägerinnen ihr Geld und bringen die umfangreichen Einkäufe der reicheren Kunden nach Haus. Nachdem wir unsere Batterie-Vorräte und die Reiseapotheke ergänzt haben – auch das macht man hier am besten auf dem Markt – beginnt unsere Fahrt mit unserem örtlichen Guide Mr. Ah Beay und seinem Fahrer zu den Bergdörfern im Norden der Stadt.

mm_2016-01-06-DSC_0055Über den Reisfeldern entlang der Mong Yang Road hängt noch der dicke Morgennebel. Die impressionistische Stimmung der Felder mit den arbeitenden Reisbauern ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn der Nebel lichtet sich schnell und weicht einem wolkenlosen blauen Himmel. Keine zehn Kilometer nördlich von Kengtung geht die asphaltierte Straße allmählich in eine schlagloch-gespickte Schotterpiste über. Das Vergnügen währt nur kurz, denn schon bald verwandelt sich das Ganze endgültig in einen holprigen Feldweg.

mm_2016-01-06-DSC_0057Bevor sich unser Toyota  behutsam zwischen den Reisterrassen bergauf quält, besuchen wir noch ein kleines Kloster am Wegesrand. Die Wat Kyan Monastry ist typisch unburmesisch. Von außen wecken das Blau, Gold und Silber Erinnerungen an vergleichbare Gebäude im Norden von Laos. Die Ausstattung im Inneren mit den cartoon-artigen Bildgeschichten über das Leben Buddhas könnten sich genauso gut in einem Wat im Norden Thailands befinden.

mm_2016-01-06-DSC_0091Nach einer knappen Stunde erreichen wir das 25 Kilometer nördlich von Kengtung gelegene Pin Tauk Lahu Village. Der Name gibt bereits einen Hinweis auf die hier lebende Ethnie, die Lahu. Der Ort scheint wie ausgestorben. Nur gelegentlich entdecken wir vereinzelte Bewohner. Auf den Feldern vor dem Dorf war auch niemand gewesen. Dann hören wir entfernt moderne burmesische Popmusik. Karaoke um diese Zeit? Das macht neugierig. Zwei Biegungen weiter dröhnt uns dann ein Lautsprecher aus einem Bambushain entgegen. Eine Hochzeit ist des Rätsels Lösung.

mm_2016-01-06-DSC_0107Schon hat uns der Vater des Bräutigams entdeckt und eilt uns entgegen. Zu spät, um unbemerkt an der Feier vorbeigehen. Die Trauung in der katholischen Kirche unweit des Hofes haben wir verpasst, dafür folgt jetzt das traditionelle Hochzeitsessen. Gemüse, Schweinefleisch mit viel Schwarte, chili-scharfe Nudeln, gekochte Eier und eine würzige Hühnersuppe müssen gekostet werden. Dazu gibt’s Tee und süße Limonade. mm_2016-01-06-DSC_0110Die härteren Sachen werden in einer Hütte an der Rückseite des Hofes ausgeschenkt. Hierhin haben sich die (männlichen) Ehrengäste des Dorfes zurückgezogen und die Getränkeauswahl um einen hochprozentigen Reisschnaps ergänzt. mm_2016-01-06-DSC_0138Getrunken wird die harmlos anmutende klare Flüssigkeit aus Plastikbechern. Natürlich muss mit jedem der Honoratioren angestoßen werden. Zum Glück gab’s vorher die fette Schweineschwarte als „stabile“ Unterlage…

Eine Dreiviertelstunde später sitzen wir wieder im Toyota und rumpeln weiter bergauf ins benachbarte Wan Pin Aka Village. mm_2016-01-06-DSC_0143Am Ortseingang warten schon mehrere Aka-Frauen in ihren traditionellen Trachten mit den silberkugelbestückten Kopfbedeckungen. Die handbestickten Taschen hatten wir schon vormittags auf dem Markt gesehen. Hier gibt es die passenden Ketten, Gürtel und Armbänder dazu. Eine 65jährige Händlerin lädt uns auf einen grünen Tee und frisch gepflückte Papaya in ihr Haus ein. Wieder einmal können wir uns der Gastfreundschaft nicht entziehen.

mm_2016-01-06-DSC_0174Auf dem Rückweg kommen wir an einer Grundschule vorbei. Dort finden wir glückliche Abnehmer für unsere Mitbringsel. Bleistifte für die Kleinen und Kugelschreiber für die älteren Schüler. Die Schüchternheit weicht schnell. Bald sind wir umringt von den zuvor noch brav die Tageslektionen rezitierenden Schülern. Allzu lange wollen wir den Unterricht natürlich nicht stören. Also verabschieden wir uns schnell und wandern zum Auto zurück.

mm_2016-01-06-DSC_0183An einer Weggabelung begegnen wir mehrere Frauen vom Volksstamm der Aenn, die in ihren Körben Gemüse und Chilischoten zum nächsten Markt tragen. Für uns ein Glücksfall, denn einen dreistündigen Fußmarsch in das Dorf der „Menschen mit den schwarzen Zähnen“ hatten wir aus Zeitgründen für heute nicht eingeplant. Jetzt können wir uns dennoch einen Eindruck von diesen Anhängern einer animistischen Naturreligion machen. Zu den Eigenarten gehört unter anderem das Schwarz-Färben der Zähne. Die Verheirateten Frauen erkennt man an den extravaganten großen Ohrringen aus bunten Perlenschnüren.

mm_2016-01-06-DSC_0198Auf der Rückfahrt nach Kengtung besuchen wir eine Schnapsbrennerei. Bereits im Hof weht einem der Alkoholgeruch um die Nase. Die Destille liegt in einem Bambushain dahinter. In durchsichtigen Plastiksäcken wird der mit Wasser vermischte Reis 10 Tage lang fermentiert. Dann folgt der Brennvorgang mithilfe eines einfachen Destillierapparates: Die von den Reiskörnern getrennte, vergorene Flüssigkeit wird in einer mit trockenem Bambus befeuerten Tonne erhitzt, der Alkoholdampf durch einen wassergekühlten Schlauch im Deckel geleitet. mm_2016-01-06-DSC_0206

Am Ende tropft hochprozentiger Schapps durch einen Filter in den Auffangbehälter. Nach vier Stunden ist der „gute Reis-Geist“ verdunstet und eingefangen. Der Rest im Fass wird ausgeleert, der nächste Beutel eingefüllt und es geht wieder von vorne los. Kostprobe? Der frisch destillierte, klare Schnaps schmeckt gar nicht so übel, brennt ein wenig und schmeckt etwas süßlich.

mm_2016-01-06-DSC_0229Zum Abschluss unserer heutigen Tagestour besuchen wir das Wan Pau Village, sechs Kilometer westlich von Kengtung. Hier leben die Silber-Palaung. Kennzeichen ihrer Tracht sind kurze, oberhalb des Bauches endende schwarze Westen und die um die Taille geschlungenen Reifen aus den drei verschiedenen Materialien Silber, Bambus und Rattan. Auch in diesem Dorf wartet ein Handwerk auf uns. Eine Weberin fertigt mit einer Art freischwebendem Webstuhl bunte Stoffe für Schals und Tragetaschen.

 

Unterkunft:
Golden World Hotel
26 Zay Dan Loang, Kyaing Tong


Guide:

Mr. Ah Beay (Aung Thura Hein)

 

 

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