Schräg in die Nacht

Sechs Jahre nach unserer ersten gemeinsamen Reise nach Laos und Kambodscha sind wir wieder in dieser Region unterwegs. Beim ersten Mal erfolgte der Grenzübergang in Houayxay noch mit der Fähre über den Mekong. Heute fahren wir dorthin bequem mit dem Bus über die Freundschaftsbrücke. Da ist dann allerdings erst mal Pause. Der nächste Bus in Richtung Norden nach Luang Namtha fährt erst um 18 Uhr (pro Person rund 11 Euro) . Der  Aufenthalt auf dem Busbahnhof gestaltet sich allerdings recht kurzweilig.

Die Familie eines kleinen Restaurants am Platz hat sich zum laotischen Fondue versammelt. Die Chefin des Hauses lädt uns ein davon zu probieren. Zuvor war ihre clevere jüngste Tochter dabei behilflich mein Handy mit einer laotischen SIM-Card auszurüsten. Das ist ganz praktisch, wenn man einmal keine WLAN-Möglichkeit hat und zum Beispiel schnell von unterwegs aus ein Hotel oder Guesthouse buchen will oder einfach nur via Google Maps wissen will, wo genau auf der Wegstrecke von A nach B man sich gerade befindet.

Ein Mitarbeiter beginnt mit Hammer und Machete die Stützpfosten des Vordaches zu bearbeiten. Völlig  unbeeindruckt wird der Fonduetopf an einen Nachbartisch verfrachtet und  der Rest der Familie brutzelt und dünstet mit laotischer Gelassenheit weiter die Fleisch- und Gemüsestücke. Erst als alle Pfosten gelockert sind, wird das Essen beendet und alle packen mit an, um mit vereinten Kräften das nun transportable Vordach zur weiteren Demontage auf einen Platz neben dem Restaurant zu tragen.

Es ist mittlerweile viertel vor sechs und von unserem Bus in den Norden noch nichts zu sehen. Lediglich der Nachtbus ins südlich gelegene Luang Prabang wartet in einer der Parkbuchten. Plötzlich eilt ein nicht mehr ganz so gelassener Laote zu uns. Ob wir ein Ticket nach Luang Namtha hätten? Wir nicken  und erklären ihm, der Bus müsse jeden Moment kommen. Der Mann schüttelt den Kopf. Nein, der Bus sei schon da. Und deutet auf den Nachtbus. Kann das sein? Schreck lass nach. Das sind dann die Momente, in denen ein Blick auf Google Maps die Situation klären hilft. Tatsächlich führt die Straße nach Luang Prabang im Dreieck erst nach Norden bis  Luang Namtha, wo es dann in Richtung Süden mindestens noch einmal so lang weitergeht.

Dumm gelaufen. Was wir  immer vermeiden wollten wird nun Realität: Busfahren in Schräglage. Nicht im Sitzen sondern liegend wie die Sardinen in der Dose auf zwei Ebenen. Natürlich wird auch der Gang typisch laotisch genutzt. Zwischen den beiden Reihen mit den Etagenliegen befinden sich Reissäcke, die als zusätzlicher Schlafplatz von weiteren Passagieren als Matratzenersatz genutzt werden. Viel bequemer ist es auf den Liegen aber auch nicht. Bei einer Breite von etwa einem Meter beliebt nicht viel Spielraum für zwei „stabil gebaute“ Mitteleuropäer mit Handgepäck und Schuhen in der Plastiktüte zwischen den Beinen.

Nach knapp vier Stunden Fahrt erreichen wir schließlich unser Ziel, den Busbahnhof von Luang Namtha – rund 10 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Klar dass um diese Zeit die Auswahl der Transportmöglichkeiten begrenzt ist. Einzig ein Mini-Van wartet auf zahlungswillige Kundschaft. Die Verhandlungsmöglichkeiten sind naturgemäß eingeschränkt und wir stimmen schließlich dem Angebot zu, uns für rund 5 Euro zu unserer am Nachmittag vorgebuchten Unterkunft zu fahren.

Nachtrag: Am nächsten Abend treffen wir die zwei Dänen wieder, mit denen wir tags zuvor als einzige Passagiere im Bus von Chiang Rai nach Houayxay gefahren sind. Sie hatten dort übernachtet und sind am Vormittag um 10 Uhr mit dem Bus angekommen. Der hatte untertags nicht 4 sondern 5 Stunden für die 180 km lange Strecke nach Luang Namtha benötigt und war ebenfalls ein Liegebus gewesen. „Normale“ Busse scheinen auf dieser Route nicht zu verkehren, egal zu welcher Zeit. So gesehen hatten wir aufgrund der kürzeren Fahrzeit am Abend sogar noch Glück gehabt. Und noch etwas kann man von den Dänen lernen: Die Visagebühr für die Einreise nach Laos ist für jedes Herkunftsland unterschiedlich. Dänen zahlen 35 US$ für 30 Tage, Deutsche müssen nur 30 US$ über den Schalter schieben. Schweizer, Luxemburger und Russen benötigen für 14 Tage überhaupt kein Visum. Warum das so ist, konnte uns bislang niemand erklären.

Unterkunft:
Na Rak O Resort
56 Sanpanard Road Soi 2/1, T.Wiang, A.Muang, Stadtzentrum, Chiang Rai, Thailand

Thoulasith Guesthouse
Phonxai Village, City Center, Luang Namtha, Laos

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