Grenze im Dornröschenschlaf

Märkte sind faszinierend, egal wo auf dieser Welt. Da lohnt auch mal frühes Aufstehen. Morgens um 6.30 Uhr herrscht bereits reger Betrieb. Zahlreiche Bauersfrauen unterschiedlicher Ethnien sind aus der Umgebung von Muang Long in die Stadt gekommen, um ihre Produkte zu verkaufen. Neben allerlei Gemüse vom Feld und aus dem Garten liegen auch Zutaten für die Anreicherung des Speiseplans bereit, die für den europäischen Gaumen eher ungewöhnlich sind: für den der’s mag sind Eichhörnchen oder fette Kröten wahrscheinlich das höchste – letztere werden noch lebend an die Kunden verkauft.

Auch die reguläre Fisch- und Fleischsektion gibt Einblicke in hiesige Küchengebräuche und Möglichkeiten. Der Fisch kommt lebend aus den Frischwasserbassins, die Hühner werden dagegen tiefgefroren angeboten und stammen aus thailändischer Produktion. Ansonsten gibt es bei den beiden Metzgern alles vom Schwein oder Büffel. Der Kopf des Tieres dient als Kennzeichnung der jeweiligen Schlachtbank.

Ein morgendlicher Marktbesuch lohnt aber auch, um das Frühstück im Guesthouse zu anzureichern. Es muss nicht unbedingt die laotische Nudelsuppe oder ein scharf gewürzter Papayasalat toGo sein. Fettgebackenes in mehreren Variationen von süß bis herzhaft sind eine tolle Alternative zum üblichen Toastbrot oder dem weichen Pseudobaguette. Und an den Obstständen gibt es natürlich auch mehr als Bananen, Mandarinen und Mango. Lychees sind gerade superreif und fallen bei leichtem Druck förmlich aus der Schale.

Nach dem Frühstück fahren wir zunächst in das örtliche Tourismusbüro, um einen Permit für die Grenze zu besorgen. Die heimliche Hoffnung unseres Guides ist, eventuell kurz einen Abstecher auf die andere Seite nach Myanmar zu machen. Bei dieser Gelegenheit bestätigt sich einmal mehr, wie stark der Tourismus in dieser Gegend in letzter Zeit zurückgegangen ist. Die Antragsliste weist für dieses Jahr nur sechs weitere Touristen aus. 2015 waren es immerhin noch 36 gewesen.

Und los geht die Fahrt ins 71 (Fahrt-)Kilometer entfernte Xieng Kok. War die Straße gestern schon ziemlich holprig, so ist heute zeitweise Schlagloch-Slalom für Fortgeschrittene angesagt. Die Landschaft mit den sanften Hügeln ist eigentlich wunderschön, aber leider nicht allzu abwechslungsreich. Auch hier führt die Strecke durch Kautschuk- und vor allem ausgedehnte Bananen-Plantagen. Erst einige Kilometer vor dem Ziel wird sich das ändern. Dann säumen  abgeerntete, terrassierte Reisfelder die Strecke, auf denen gerade (unter Plastikabdeckungen) Bohnen gezogen werden.

Für Abwechslung sorgt ein Zwischenstopp in Ban Paha, einem kleinen Dorf der Lanten (auch Lenten oder Len Taen genannt). Hier tragen viele Frauen noch die traditionelle fast schwarze indigogefärbte Tracht. Auf dem Weg zur Schule begegnen wir ihnen beim Trocknen und Färben der Baumwolle und Nähen der Gewänder. Auch bei der Herstellung von Bambuspapier können wir zuschauen.

Während die Jungs auf dem Schulhof Papierflieger durch die Luft werfen, werden die Mädchen gerade im Tanzen unterrichtet – unter den kritischen Augen nicht nur der Lehrer sondern auch einigen anwesenden Müttern. Soviel Aufmerksamkeit stört sie aber nicht im Geringsten und sie haben sichtlich Spaß an den Reihentänzen.

Weiter geht die Fahrt und wir nähern uns allmählich der Grenze. Kaum haben wir die Grenzstadt Xieng Kuk passiert und sind Richtung Mekong abgebogen, ist die Straße plötzlich zweispurig und sogar asphaltiert. Nach einigen Kilometern am Fluss entlang kommt schließlich die Freundschaftsbrücke bei Kenglat in Sicht.

Eine echte Geistergrenze. Es dauert eine Weile, bis sich ein Grenzer sehen lässt. Erst nach längeren Diskussionen mit den laotischen Beamten und Vorlage des Permits dürfen wir wenigstens für ein paar Fotos bis zur Brückenauffahrt fahren. Viel zu tun haben die Grenzer hier wirklich nicht. Bis auf ein mit zwei Körben beladenem Moped will niemand die Grenze zwischen Laos und Myanmar überqueren. Für Touristen ist sie derzeit nicht passierbar.

Myanmar hat allerdings Änderungen für die nächsten Jahre eine Öffnung angekündigt.

Der nebenan gelegene kleine Hafenort Vienkok am Ufer des Mekong hat auch schon turbulentere Zeiten gesehen. In den frühen 1990er Jahren starteten hier die Backpacker zur Flussfahrt nach Luang Prabang. Das ist heute nicht mehr möglich. Die Fahrt von hier aus bis Hua Xai  ist für Touristen verboten, erst von dort aus darf man eines der Boote flussabwärts nehmen. Unser Guide Thong Khao grinst und erzählt, der letzte Backpacker sei ein Amerikaner gewesen, der hier 2007 übernachtet habe.

 

 

Nach einem kleinen Mittagsimbiss machen wir uns auf den Rückweg. Nur einmal halten wir kurz in Ban Phonesavang, einem Dorf der Lahu. Dann geht es ohne weitere Zwischenstopps in einem  Rutsch zurück, bis wir schließlich gegen 17 Uhr ausgiebig (durch-)geschüttelt Muang Sing erreichen.

Unterkunft:
Phou Iu II Bungalow
Ban Singchalern, Sing District (58 Km from Luang Namtha District ), Luang Namtha, Luang Namtha, Laos

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