Weihnachtsimpressionen

Der Platz vor der Kirche Santo Domingo ist  vollständig mit Marktständen bedeckt. Unter den Plastikplanen ein farbenprächtiges Angebot bestickter Taschen und Stoffe, gehäkelter Sorgenpüppchen, geflochtener Freundschaftsbändchen, Lederwaren und Schmuck. Vor allem Bernstein wird hier angeboten in allen Formen und Größen. Für ihn ist die Region Chiapas bekannt.

 

 

 

Wir gehen weiter die Straße entlang von Block zu Block, vorbei an  bunten Fassaden, hinter denen sich immer wieder Innenhöfe mit Oasen der Ruhe verstecken. Hinter dem nächsten Block dann die Kathedrale, das eigentliche Wahrzeichen der historischen Altstadt. Sie kann allerdings seit über einem Jahr nicht betreten werden, da  ein heftiges Erdbeben die Region erschütterte und das Bauwerk stark beschädigte.

Vor 25 Jahren, am 1. Januar 1994 geriet San Christobal schon einmal in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Der Platz vor der Kathedrale war Zentrum des Aufstands der Zapatisten, die sich vor allem für die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzten. Er wurde blutig niedergeschlagen. Geändert hat sich nichts. Keine Gedenktafel, keine Stele, nichts erinnert an das Geschehen an diesem Ort. Sucht man nach Spuren, findet man nur wenige Graffitis. Auf dem Markt, versteckt zwischen den Sorgenpüppchen, ein paar Schlüsselanhänger mit gehäkelten Kämpfern der EZLN.

Das Miteinander der Mexikaner, Mestizen und Indigenen auf den Straßen ist eher ein Nebeneinander. Die Ureinwohner mischen sich unter die Touristen, verkaufen für wenige Pesos Freundschaftsbändchen, bunte Tücher und ähnliches. In ihren Gesichtern selten ein Lächeln, mehr Resignation.

 

 

 

 

Mittags quält sich ein Autokorso durch die Altstadt. Der letzte Akt der achttägigen Posadas der vergangenen Tage, mit denen der Herbergssuche der Heiligen Familie gedacht wurde. Traditionell wird am Tag des Heiligen Abends das Jesuskind durch die Straßen in die Kirche gebracht. Hier ist es ein Christusbild, das auf einem Pickup die Prozession anführt. Ihm folgen weitere mit einer Blaskapelle, einer Mariachi-Band und anderen heiteren Begleitern. Dazwischen mobile Feuerwerker, die auf ihre Art das kommende Fest begrüßen.

Als es dunkel wird, krachen Böller in den Straßen, aus den Bars und Restaurants tönt Live-Musik. Der Markt an der Kirche Santo Domingo ist abgebaut.

Einige Händler sind auf den Platz vor der Kathedrale gezogen und haben dort ihre Matten mit ihren Kostbarkeiten ausgebreitet. Drei Rotkreuz-Mitarbeiter verteilen heißen Tee an die Indiofamilien, ein Weihnachtsmann süßes Gebäck für die Kleinen. Feliz Navidad! 

Unterkunft:
Ganesha 5 de mayo
Avenida 5 de mayo #4, San Cristobal De Las Casas, Mexiko, 29240

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