Am Vormittag versuchen wir zum zweiten Mal, das Nghe An Museum zu besuchen. Die Tür steht zwar halb offen, aber in einer Ecke liegt nur ein Wachmann auf einer Matratze und signalisiert entschlossen, das wird heute wieder nix. Auch das zweite benachbarte Museum einer Gefängnisanlage ist entgegen der Google- Information geschlossen.
Bleibt also wieder nur ein Rundgang zwischen den Gebäuden der von 1804 bis 1945 in Betrieb befindlichen zwei Hektar großen Anlage. Wirklich sehenswert ist aber nur das Denkmal für die Gefangenen mit den Bronzereliefs an der dreiseitigen Säule und den ausdrucksstarken Steinmetzarbeiten auf den Tafeln dahinter..
Für den Rückweg nehmen wir eine andere Route und suchen das Pendent zu der „Zitadelle“ auf der anderen Seite. Dieses Stadttor befindet sich ebenfalls in einem Kreisverkehr direkt neben einem Stadion. Klar, auch dessen Tore sind geschlossen.
Wir gehen weiter zur nächsten großen Straße und suchen nach einem Café oder einer anderen Möglichkeit, um etwas zu trinken. An einer Straßenecke liegt etwas versteckt eine kleine Oase der Ruhe. Von dort aus suchen wir nach weiteren Möglichkeiten, etwas Sehenswertes in dieser Stadt zu finden. Und ja, da gibt es etwas gleich um die Ecke:
Einfach in die gegenüberliegende Querstraße laufen, dann befindet sich dort der alte Hong Son Tempel. Die Anlage mit drei Hallen ist der Gottheit Quan Van Truong (General Guan Yu) gewidmet und hat auf wundersame Weise die Zerstörungen der Stadt überlebt, die zweimal – erst von den Franzosen, dann von den Amerikanern – dem Erdboden gleich gemacht wurde.
Das war’s dann eigentlich auch schon mit den Sehenswürdigkeiten von Vinh City. Wäre da nicht noch etwas weiter draußen vor der Stadt in einem kleinen Dörfchen, etwa 25 Autominuten entfernt, das Geburtshaus von Ho-Chi-Minh. Wir rufen uns also wieder einen Grab. Große Überraschung: Der Fahrer kennt mich schon. Bei der Apotheken-Odyssee vor zwei Tagen hat er mich erfolgreich zur dritten und letzten gefahren. Schnell werden wir uns einig, dass er uns auch von der heute anvisierten historischen Gedenkstätte wieder zurück in die Stadt bringt.
Khu di tích lịch sử Kim Liên entpuppt sich als weitläufiges Areal mit mehr als nur der „Geburtshütte“ des vietnamesischen Führers. Der Rundweg führt vorbei an den Bambushütten seines Großvaters, Vaters, weiterer Nachbarn und schließlich seiner Mutter. Ihm selbst sind dann drei weitere Gebäude gewidmet.
Das erste zeigt eine kleine Ausstellung, im zweiten ist ein Jeep zu sehen, bis dann in der dritten Halle eine Bronzebüste Ho Chi Minhs thront. Während auf den Altären des Tempels am Nachmittag Wasserflaschen und Getränkedosen gestapelt waren, sind es hier sorgfältig in Plastik verpackte Obstkörbe.
Wir beenden unsere kleine Exkursion in das zum Nationalheiligtum erklärte Geburtsdorf von Onkel Ho und werden von Nguyễn Quang Tuấn zurück in die Stadt gebracht. Die Verständigung funktioniert etwas holprig mithilfe einer Übersetzungs-App mit Diktierfunktion. Die hat manchmal recht merkwürdige Verständnisprobleme: „Hi Maja Toni Heiler memoriere Sunday my.“ Keine Ahnung, was mir Tuấn eigentlich sagen wollte. Letztlich werden wir uns dann aber doch noch einig, sowohl hinsichtlich des Fahrpreises als auch einer weiteren Abholung spät abends, wenn wir zum Bahnhof müssen, um den Nachtzug nach Hoi An zu nehmen…x
