Motive in Vinh City

Am Vormittag machen wir einen kleinen Spaziergang zum Ho Chi Minh Platz in der großen Parkanlage unweit unseres Hotels. Es ist immer wieder beeindruckend, wie sich der  Personenkult autokratischer Führer in monomentalen Inszenierungen spiegelt. Diese Statue von „Onkel Ho“ ist mit einer Höhe von 18 Metern die größte Skulptur von ihm in Vietnam. Ein Wachmann achtet sorgfältig darauf, dass man ihr beim Fotografieren nicht zu nahe kommt und schickt mich wild gestikulierend hinter die Absperrungen zurück.

Auch eine Gruppe schwarzgekleideter Frauen hat zunächst etwas gegen Fotos, macht dann aber klar, dass Fotografieren okay sei, Videos dagegen nicht erwünscht. Was sie sonst noch sagen, bleibt unverständlich. Die Anführerin der Gruppe gibt das Signal und schon geht’s los: Die Vierergruppe streckt die Fäuste nach oben und unterstreicht damit ihren rhythmischen Sprechgesang. Es handelt sich vermutlich  um Parolen der kommunistischen Partei Vietnams, vielleicht auch von Ho Chi Minh selbst.

 

 

Die Tänzerinnen schräg gegenüber wirken da schon fast betulich mit ihren an Aerobic erinnernden fließenden Bewegungen und Gesten. Ob das eine Probe für Größeres ist? Gut vorstellbar, wie der Showtanz um  das zigfache multipliziert bei einer Parade auf dem Platz vor dem Denkmal wirken würde.

Wir verlassen den Park und suchen nach der „Vinh Walking Street“, die hier irgendwo in der Nähe von der Hauptstraße abzweigen soll. Die Fußgängerzone war gestern ein weiterer Tipp von Manh und Thuong gewesen. Um diese Zeit ist noch nicht viel los dort, sie erwacht erst gegen Abend und vor allem freitags und samstags zum Leben. Von den zahlreichen Essensständen ist jetzt um die Mittagszeit noch nicht viel zu sehen.

Ein weiterer Tipp war ein Besuch der Yen Dai Kirche (Nhà thờ Yên Đại) in einem Vorort von Vinh City. Sie  ist mit einer Länge von 102 Metern und einer Breite von 48 Metern eine der größten katholischen Kirchen Südostasiens.

Bei der Angabe des Fahrziels für den Grab-Fahrer wähle ich versehentlich den ähnlich klingenden Namen einer benachbarten Pfarrkirche. Und weil die Ke Gai (Nhà thờ Kẻ Gai) eindeutig kleiner ist und auch architektonisch nicht der Yen Dai entspricht, muss der Fahrer mit Unterstützung einer Übersetzungs-App und einem Internetbild überredet werden, uns nach einem kurzen Zwischenstopp weiter zur „richtigen“ Kirche zu fahren.

Wieder taucht eine Kirche auf, diesmal weiß  getüncht und schon von weitem wissen wir, dass wir jetzt richtig sind. Es war nur ein kleiner Umweg in die Gegenrichtung. Wir bitten den Fahrer, erneut auf uns zu warten, um für die Rückfahrt nicht lange auf einen Ersatz zu warten.

Nach einem Abstecher zu der auf der gegenüberliegenden Seite aufgetürmten Nachbildung einer Lourdes-Grotte betreten wir den fast menschenleeren Kirchplatz.

Damit sind wir auch gleich im Fokus einer Schülergruppe, die am anderen Ende mit ihrer Lehrerin Unterricht im Freien hat. Winkend und rufend rennen die Kleinen los und zücken sofort ihre Smartphones. Jetzt sind wir diejenigen, die fotografiert werden sollen. Offensichtlich kommt es nicht so oft vor, dass man ein paar Europäer vor die Handy-Linse bekommt.

 

 

Unterkunft:
Muong Thanh Grand Phuong Dong
2 Truong Thi,
Vinh, Vietnam

Dieser Beitrag wurde unter Asien, Vietnam abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.