Nats als Glücksbringer

mm-2013-12-31--DSC_0015Eine Verlängerung in Bagan scheitert an den Möglichkeiten vor Ort. Unser bisheriges Quartier, das Zefreedi Hotel, macht es wie viele andere an diesem Tag. Der Preis wird mit einem Trick fast verdreifacht, indem eine Teilnahme am Silvesterdinner zur Bedingung für die Zimmerbuchung gemacht wird. 58 US$ pro Person zuzügl. Getränke werden für ein ziemlich gewöhnliches Buffet verlangt – darin enthalten eine Pasta-Station, die nur aus einem Angebot (Spagetti Bolognese) besteht, sowie im asiatischen Teil zwei Vorspeisen und drei Hauptgerichte offeriert. Ganz schön mutig für ein Hotel, das erst Mitte Dezember teileröffnet hat und noch immer eine halbe Baustelle ist. Kurzentschlossen buchen wir für den Abend einen Flug nach Yangon. Aufgrund eines Stromausfalls am Nachmittag in der Region können wir dort zwar zunächst kein Zimmer buchen, aber im Gegensatz zu Bagan (fully booked) hatten wir am Vormittag bei dem Buchungsportal unseres Vertrauens für Yangon mehr als 30 Möglichkeiten entdeckt.mm-2013-12-31--DSC_0014

Wir erkunden zu Fuß den Ort Nyaung U. Der Markt hat heute geschlossen und wir legen eine kleine Pause im Beach Bagan Restaurant des Deutschen Jürgen von Jordan ein. Er unterstützt mit seiner Hilfsorganisation „Myanmar Foundation“ bedürftige Familien. Ein Teil der Einnahmen des Touristenrestaurants fließt in diese Stiftung. Man sitzt gemütlich unter Palmen auf einer großen Terrasse mit Blick auf das Leben auf dem Irrawaddy.

Eine Seitenstraße in Flussnähe führt direkt zur Shwezigon Pagode. Hierhin verirren sich selten Fremde. Der Kontrast zur parallel verlaufenden hektischen Hauptstraße könnte nicht größer sein. Hier ist Nyaung U noch ein Dorf geblieben, während 2 Straßen weiter alles fest in der Hand von Touristen aus aller Welt ist.

mm-2013-12-31--DSC_0025Am späten Nachmittag erreichen wir die Shwezigon. Hier ist es ruhig geworden. Die Massen sind bereits auf dem Weg zu den Hotspots für den Sonnenuntergang. Doch so ruhig ist es nun auch wieder nicht. Das Quaken der burmesischen Oboen (Hnàe) und die polyphonen Klangfolgen des Gamelan locken uns in einen Seitenbereich. Hier ist eine Nat-Zeremonie in vollem Gang. Ein Nat kann eine verstorbene historische Persönlichkeit, eine legendäre Figur, ein Naturgeist oder sogar eine Hindu-Gottheit sein. Voraussetzung ist ei gewaltsamer Tod. Derzeit gibt es Bestrebungen, den Vater von Aung San Suu Kyi in die Liste der Nats aufzunehmen. Eine große Ehre für den ehemaligen General, der einem Attentat zum Ofer fiel und so zum Märtyrer der Unabhängigkeit wurde.

mm-2013-12-31--DSC_0032Manche Nats treiben Schabernack, andere beschützen die Menschen. In jedem Fall müssen sie gnädig gestimmt werden. In Zeremonien zu allen möglichen Gelegenheiten wie Hauseinweihungen oder Festtagen werden sie von einer bunten Truppe mit Orchester verkörpert. Frauen übernehmen Männerrollen und umgekehrt. Die Vorstellungen finden im Rahmen von zum Teil mehrtägigen Festen statt. Jeder der Hauptgeister hat sein eigenes Festival. Eines der größten findet jedes Jahr im Juli oder August in Taungbyone 30 km nördlich von Mandalay acht Tage vor dem Vollmond statt. Mehrere Tage treffen sich Zehntausende, um sich bei feuchtfröhlichen Gelagen, wilden Theatervorführungen und Glücksspielen zu vergnügen und von Astrologen und Wahrsagern einen Blick in die Zukunft geben zu lassen.

mm-2013-12-31--DSC_0044Am Silvesternachmittag in Nyaung U geht es verhältnismäßig gesittet zu. Umringt von Kindern wird einer Tiergeistdarstellerin Mandalay-Rum eingeflößt – kein Tee, wie man deutlich riechen kann. Unter dem lauten Gejohle der Zuschauer kriecht sie auf allen Vieren mit fletschenden Zähnen durch die Reihen, um von den Erwachsenen zur Beruhigung mit Geldscheinen gefüttert zu werden. Ein als Prinzessin verkleideter Mann führt das Tier an der Leine und tätschelt ihm den Rücken.

In der Dämmerung erreichen wir den Flughafen. Auch dort ist wegen des Stromausfalls kein Internet verfügbar. Kein Problem. Wir dürfen halbwegs pünktlich übers Rollfeld zu unserer Propellermaschine wandern, die uns nach Yangon bringt. Mit dem Taxi fahren wir zum East Hotel in der Nähe der Sule Pagode. Die Beschreibung des Hotels hatte uns im Reiseführer am besten gefallen und am Vormittag waren noch Zimmer frei. Wir haben Glück.

mm-2013-12-31--P1070712Nach einem späten Imbiss in einem Einheimischenlokal wenige Häuser weiter erleben wir den Jahreswechsel mit einem Whisky auf der Dachterrasse des Hotels.

Unterkunft:
East Hotel
No. 234-240, (1) Quarter, Sule Pagoda Road, Kyauktada Township, Downtown Yangon, Yangon, Myanmar

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