Ab ins Delta

mm-2014-01-02--DSC_0011Mit dem Taxi von der Innenstadt ist man in etwas mehr als einer Stunde zum Busbahnhof. Wir wollen einen Überlandbus nach Pathein nehmen. Die Taxifahrt für 9 US$ führt unter anderem durch das am Stadtrand von Yangon gelegene dezentrale Universitätsviertel. Der Busbahnhof ist groß und ziemlich unübersichtlich, zumindest für westliche Augen. Zum Glück kennt sich unser Fahrer aus, denn auf eigene Faust mag man hier nicht nach dem richtigen Bus suchen. Die Strecke Yangon – Pathein wird beispielsweise zu unterschiedlichen Abfahrtszeiten von mehreren Gesellschaften bedient.

mm-2014-01-02--DSC_0026Die Fahrt in dem schon sehr in die Jahre gekommenen Gefährt führt ins Delta mit seinen weiten Reisfeldern und immer wieder über Flussarme. An der Grenze zum nächsten Bundesstaat müssen wir unsere Pässe an einem Straßenposten abgeben, damit dort Kopien von den Visa registriert werden können. Die einheimischen Mitreisenden bleiben unbehelligt, wir sind die einzigen Ausländer im Bus. Während der viereinhalbstündigen Fahrt gibt es nur einen längeren, 20minütigen Stopp, ansonsten hält er nur noch kurz an diversen mehr oder weniger erkennbaren Haltepunkten, um Mitreisende quasi vor der Haustür auf freiem Feld abzusetzen oder aufzunehmen.

mm-2014-01-02--P1070873Am überschaubaren Busbahnhof von Pathein stürzt sich gleich ein ganzes Rudel Taxifahrer auf die einzigen Fremden, um ihre Dienste anzubieten. Die Einheimischen haben umgehend das einzige wartende Sammeltaxi geentert und überbelegt – sofern sie nicht zu Fuß in alle Richtungen verschwunden oder von Angehörigen abgeholt worden sind. Nach längerer Verhandlung und Androhung, ebenfalls zu Fuß Richtung Ortskern zu verschwinden, werden wir für zwei statt der ursprünglich für die Kurzstrecke geforderten 3 US$ von einem 20  Jahre alten, aber mit deutlich besserer Federung als der Bus zuvor ausgestatteten Toyota zum Guesthouse unserer Wahl gebracht. Vorbuchen war wieder mal nicht möglich, Pathein liegt abseits der Touristenrouten und nur wenige Herbergen haben die Lizenz, Ausländern ein Zimmer anbieten zu dürfen. Aber wir haben Glück. Die Empfehlung aus dem Reiseführer unseres Vertrauens hat noch ein Zimmer frei.

mm-2014-01-02--P1070876Am späten Nachmittag besuchen wir das Wahrzeichen der Stadt.  Die Shwemokhtaw Pagode hat eine 47 Meter hohen vergoldete Stupa im Zentrum, die in den vergangenen Jahren umfangreich restauriert wurde. Die Spitze wird von einem dreistufigen Hti gekrönt, der mit 22 Kilo Gold beschichtet und 829 Diamanten, 843 Rubinen und 1.588 weiteren Edelsteinen bestückt ist. Von den Preziosen sieht man von unten freilich nichts, das ist den Krähen vorbehalten, die zu Hunderten dort oben und auf den Gebäuden und Bäumen ringsum hocken und einen Heidenlärm machen. Hitchcocks Vögel lassen grüßen…

Mit Einbruch der Dämmerung schlendern wir am mittlerweile geschlossenen Hauptmarkt vorbei und suchen in einer Seitenstraße nacheinander zwei typische Lokale auf. mm-2014-01-02--DSC_0051Das New Zee Baeinn kann mit köstlichen chinesischen Gerichten punkten, das Myo ABC Restaurant nebenan mit Fleischspießchen vom Grill und natürlich Myanmar Bier aus der Flasche. Schließlich sammeln wir die Kronkorken. Dass wir die Bedeutung des damit verbundenen Gewinnspiels kennen, sorgt immer wieder für anerkennende Bewunderung für die ansonsten neugierig bestaunten Langnasen. mm-2014-01-02--P1070900Und wenn wir dann mit Händen und Füßen verständlich machen, dass wir es nicht auf das T-Shirt für 20 Deckel mit „Thank You“ Inschrift, sondern auf die Jacke für 35 Kronkorken abgesehen haben, fühlen wir uns schon fast wie in einer Stammkneipe. Man muss nicht unbedingt Englisch sprechen, um beispielsweise zu signalisieren, dass man etwas bestellen will. Es reicht, mit gespitzten Lippen zweimal eine Art Schmatzlaut zu erzeugen. Das hört sich ein wenig wie Knutschen an, wird aber nicht anzüglich verstanden, sondern als der Ruf nach einer Bedienung. Diesen „Trick“ hatte uns vor zwei Jahren unser damaliger Guide Kyaw verraten. Ansonsten zeigt man halt auf das, was man will und bedankt sich artig in Landessprache. Kyèj-zù-bàe! Kyèj-zù-tin-ba-dae! (Danke! Ich danke Ihnen)

Unterkunft:
Htake Myat San Motel
No.8, Maha Bandoola Road, Pathein

Restaurant:
New Zee Baeinn & Myo ABC Restaurant
Shwe Gyin Tann Street, Pathein

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