Eine Massage von Blinden haben wir schon bei unserem ersten gemeinsamem Besuch in Hoi An 2023 empfohlen bekommen und auch dieses Jahr wieder kurz vor Weihnachten in Hanoi in Anspruch genommen. Nicht allzu weit von unserem Quartier des letzten Jahres entfernt findet sich eine Möglichkeit. Blinde Masseure entwickeln durch ihre Sehbehinderung eine oft überdurchschnittliche taktile Wahrnehmung. Damit gelingt es ihnen scheinbar oft schneller, Problemzonen genauer zu lokalisieren und gezielter zu bearbeiten, als es ihren sehenden Kollegen möglich ist. Sie besitzen das wortwörtlich bessere „Einfühlungsvermögen“, wenn sie die Reaktionen des Körpers mit ihren Händen „lesen“ und die Intensität der Behandlung intuitiv anpassen..
Und Thu und Hà machen das wirklich hervorragend. Zielsicher finden sie unsere neuralgischen Punkte. Im Hintergrund klimpern diesmal keine einschläfernden Klavier-Etüden sondern muntere vietnamesische Musik, die mit Bambusflöten -, Zither- und unterschiedlichen Trommel-Klängen gleich gute Laune verbreitet. Es handelt sich offensichtlich um populäre Volkslieder, Hà singt gelegentlich leise den Text zu den eingängigen Melodien, während sie sich ansonsten lebhaft mit ihrer Kollegin Thu über ihre aktuelle Aktivität und die Eigenarten ihrer „Patienten“ auszutauschen scheint. Letzteres besonders lebhaft und mit einer Art ungläubigen Staunen, als sie meine ziemlich buschigen Augenbrauen ertastet. Das zumindest glaube ich ihren Handbewegungen und dem vietnamesischen Geplapper zu entnehmen , als sie mehrfach die Länge und Breite der Haarbüschel prüfend an ihnen entlangfährt.
Nachdem die beiden unsere Verspannungen, Knoten und Schmerzpunkte erspürt und behandelt haben, machen wir uns ganz entspannt zu Fuß auf den Heimweg in unser Quartier, vorbei am Busbahnhof und Fußballstadion von Hoi An. Passenderweise wartet auf halber Strecke eine Pizza bei einem Italiener, den wir im letzten Jahr bereits entdeckt haben. Er hat nicht nur einen Pizzaofen von Di Vicino Forni eigens aus Bella Italia importiert, sondern auch eine komplette Wand des Lokals mit einem Bild aus der Schwarz-Weiß-Satire „Ein Amerikaner in Rom“ aus dem Jahr 1953 dekoriert.
Das Foto zeigt eine ikonische Szene mit dem genüsslich Makkaroni verspeisenden Alberto Sordi, der den übertriebenen Amerika-Fan Nando Mericon spielt. Ob auch heute noch jemand wie im Film mit Selbstmord á la Sprung vom Kolosseum drohen würde, um ein Visum in die USA zu bekommen, darf bezweifelt werden…
Restauranttipp:
La Bottega Hoi An
92 Bà Triệu, Phường
Minh An, Hội An, Quảng Nam 560000, Vietnam
Unterkunft:
Long Life Riverside Hotel
61 Nguyen Phuc Chu
Minh An, Hội An, Vietnam
Massage:
Cơ sở massage người khiếm thị – Quỳnh Thu
15 Chu Văn An, Tân An,
Hội An, Quảng Nam, Vietnam
