Seidenraupen und Flughunde

id-sw_2014-12-31-DSC_0087Bevor wir am Nachmittag weiter nach Makassar fahren, haben wir einen Besuch der Seidenproduktion in dieser Region geplant. Unser Guide und Fahrer ist Alu, ein  Mitarbeiter des Amira Guest House.

id-sw_2014-12-31-DSC_0018Rund 40 km südlich von Sengkang passieren wir Watan Soppeng. Auf einem von Bäumen gesäumten Platz mitten in der Stadt haben tausende Flughunde ihr Schlafquartier für den Tag eingerichtet. Selbst in der Ruhephase sind sie unüberhörbar. Die Geräuschkulisse morgens und abends dürfte selbst die nächtlichen Froschkonzerte im Garten von Pia’s Poppies in den Schatten stellen. id-sw_2014-12-31-P1090841Für Soppeng sind die schwarzen Flattertiere Symbol und Markenzeichen, das  Logo der  örtlichen Basketballmannschaft schmücken zwei Flederflügel.

Einige Kilometer weiter erreichen wir Tajuncu. Hier befindet sich die größte Seidenraupenzucht Sulawesis. Amir Daus, der Direktor des staatlichen Betriebes lässt es sich nicht nehmen, uns die Produktion zu zeigen. id-sw_2014-12-31-DSC_0026Derzeit befinden sich die Raupen in der Fressphase. Es wir noch ca. 14 Tage dauern, bis sie sich vollständig verpuppt haben. In den Zuchträumen stehen jeweils 3 Gestelle mit zwei Boxen, auf denen  jeweils rund 20.000  Seidenraupen an Maulbeerblättern knabbern. Aus dem Kokon einer einzigen Raupe kann später ein Faden von rund 1.200 Meter Länge gesponnen werden.

id-sw_2014-12-31-DSC_0059Die Gegend rund um  Sengkang  ist das Zentrum der Rohseidenverarbeitung Sulawesis. Die Webereien sind auch heute noch kleinere Handwerksbetriebe, bekannt vor allem für Ikat. Diese Seidenstoffe mit den traditionellen vielfarbigen Mustern werden an alten hölzernen Webstühlen gewoben, wobei die Muster seit etwa 40 Jahren mit Hilfe einer Art Lochkarten gesteuert werden. Trotz dieser maschinellen Präzision kann es allerdings zu kleinen Webfehlern kommen, die vor allem bei einfarbigen Stoffen deutlicher ins Auge fallen, als bei den gemusterten. Beim Kauf deshalb die Stoffbahn  gegen das Licht halten und einer genauen Prüfung unterziehen. Der Kauf vor Ort lohnt sich: ein Meter Ikat-Seide kostet rund 170.000 Rp., etwas weniger als 12 Euro. Die glatte einfarbige Seide liegt bei rund 10 Euro.

id-sw_2014-12-31-DSC_0042Auch auf dem Rückweg dudelt permanent der Player in Alus Suzuki-Minivan. Ohne Musik mag hier scheinbar niemand fahren. Der Soundtrack heute: eine wilde Mischung aus Gangsta-Rap, Heavy Metall und traditionellen Bungis-Balladen. Kurz vor dem Eintreffen im Amira Guest House machen wir Halt beim Haus unseres Fahrers. Alu will uns unbedingt seiner Familie vorstellen. Er lebt mit seiner Frau, einer Tante und einem Neffen in einer Einraumwohnung, die offensichtlich vom Geschmack der Bewohnerinnen  geprägt ist: viel Rosa und jede Menge ‚Hello Kitty‘ Dekor.

Um 15 Uhr stehen wir endlich mit unseren Rücksäcken auf dem Busterminal von Sengkang. Zu spät für die Busse nach Makassar. id-sw_2014-12-31-P1090848Public Cars sind auch keine in die richtige Richtung am Start, Richtung Norden nach Palopo wären dagegen Dutzende unterwegs. An der entsprechenden Abfahrtsbucht mit Ziel Makassar herrscht dagegen gähnende Leere. Dort werden bereits die Verkaufsstände für den Nachtmarkt aufgebaut. Aber wir wollen Sylvester lieber in der Hauptstadt Sulawesis als in einer weitgehend moslemisch geprägten Kleinstadt auf dem Land feiern. Was tun? Zwei Querstraßen vom Busbahnhof entfernt befinden sich die Büros der Reisevermittler, die auch private Fahrer samt Auto organisieren können. Nur mit den Englischkenntnissen hapert es diesmal ganz gewaltig.

Die Lösung dieses Problems ist einfach und effektiv. Der junge Travelagent Aprisal Syam daddelt an seinem Computer nicht nur begeistert Online-Racinjg-Games, sondern weiß auch sein mangelhaftes Englisch mit Hilfe von Google Translate zu tunen. Und so tippen wir gegenseitig unsere Fragen und Antworten auf Indonesisch bzw. Englisch in den Rechner und lassen Google übersetzen. Schnell sind alle Fragen geklärt und die Verhandlung von Preis und Ziel erfolgreich beendet: ‚anda tunggu sebentar‘ – ‚Sie eine Minute warten‘. Alles in Ordnung! Es dauert tatsächlich nicht lange,  dann kommt auch schon der Fahrer und wir starten mit ihm und Aprisal als Beifahrer in Richtung Makassar. Die 170 km lange Strecke hat es in sich. Die meiste Zeit kostet die Fahrt über die schlaglochdurchsetzte Kurvenpiste durch die Berge an die Küste. So dauert es schließlich etwas mehr als 5 Stunden, bis wir gegen  22 Uhr Makassar erreichen.

id-sw_2014-12-31-P1090973Das Zimmer im Hotel Agung hatten wir bereits vor der Abfahrt in Sengkang übers Internet gebucht. Last Minute zum Schnäppchenpreis. Jetzt erwartet uns eine kleine Überraschung: im Preis inbegriffen ist ein Silvesterbuffet mit Tombola. Der Gewinn: eine Baseballkappe der indonesischen Biermarke Bintang 🙂 Gemeinsam mit zahlreichen Einheimischen und zwei Paaren aus den Niederlanden und Österreich feiern wir den Jahreswechsel. Auf das das neue Jahr so abwechslungsreich und interessant weitergeht, wie das alte endete…

Unterkunft:
Hotel Agung
Jampea No.33, Stadtzentrum Makassar, Makassar, Indonesien 90174

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